Full text : Inflation und Geldentwertung

104  Finanzielle  Maßnahmen  zum  Abbau  der  Preise.

Dalberg 1 ),  Bendixen 2  3  * ),  Lansburgh 8 )  u.  a.  m.,  deren  Anschauungen ­
  sich  im  wesentlichen  decken.  Ich  stimme  den  Ergebnissen ­
  ihrer  Ausführungen  im  großen  und  ganzen  gleichfalls
zu.  In  aller  Kürze  sei  daher  das  folgende  hervorgehoben:
a)  Da  sich  die  Inflation  bereits  über  einen  längeren  Zeitraum
erstreckt  und  ihre  Wirkungen  fast  den  gesamten  Organismus  der
Volkswirtschaft  durchdrungen  haben,  erscheint  es  als  gänzlich
ausgeschlossen,  daß  die  früheren  Preise,  wie  sie  sich  in  der  Vorkriegszeit ­
  herausgebildet  hatten,  jemals  wieder  erreicht  werden.  Mit
dieser  Tatsache  werden  nicht  nur  die  im  Kriege  unterlegenen  Länder
der  Mittelmächte,  sondern  auch  die  Volkswirtschaften  der  Ententestaaten, ­
  ja  selbst  die  der  neutralen  Länder  zu  rechnen  haben.
Nach  Cassel  hat  sich  der  Preisstand  in  den  Vereinigten  Staaten
von  Amerika  um  100%  gehoben,  während  in  Schweden  eine  noch
größere  Steigerung  eingetreten  ist.  Wie  jeder  größere  Krieg  Zeiten
allgemeiner  Preissteigerungen  nach  sich  gezogen  hat,  so  schließt
auch  der  gewaltigste  aller  Kriege  mit  einer  internationalen  Hebung
des  Preisstandes,  allerdings  dem  Ausmaß  nach  in  den  einzelnen
Ländern  vorerst  noch  sehr  verschieden,  ab.  So  wird  man  sich
allerorten  damit  abfinden  müssen,  daß  die  früheren  Preise  nur
noch  der  Erinnerung  angehören,  daß  die  Geldentwertung  als  eine
dauernde  Erscheinung  hingenommen  werden  muß.
b)  Die  deutsche  Volkswirtschaft  hat  also  mit  einer  anderen
Preishöhe,  mit  einem  durchschnittlich  höheren  Stande  der  Preise
zu  rechnen.  Welche  „andere  Höhe“  wird  dies  sein?  Darauf  eine
einigermaßen  befriedigende  Antwort  zu  geben,  ist  heute  —  bei
Beginn  der  neuen  Friedenswirtschaft  —  ganz  unmöglich.  Auf  die
zukünftige  Gestaltung  der  Preise  wirken  eine  große  Zahl  von
Größen  ein,  die  im  Augenblick  kaum  richtig  zu  erkennen,  geschweige
denn  in  ihrer  Schwere  und  Bedeutung  richtig  abzuschätzen  sind.
Es  kommen  in  Betracht:  das  Ausmaß  der  Güterherstellung,  die
Verbesserung  und  Verfeinerung  der  Arbeitsmethoden,  die  Arbeitskraft ­
  und  der  Arbeitswille  der  deutschen  Bevölkerung,  die  neuen
Konsumgewohnheiten  und  die  Kapitalbildung,  ferner  die  Einwirkung ­
  der  einschneidenden  Steuerpolitik  auf  Gütererzeugung  und

1 )  Dalberg,  R.  Die  Entwertung  des  Geldes,  Berlin  1918.  S.  124.

2 )  Bendixen,  Fr.  Die  Parität  und  ihre  Wiederherstellung.  Bank-Arohiv
vom  15.  Oktober  1918.

3 )  Lansburgh,  A.  Die  Wiederherstellung  der  Landeswährung.  Zeitschrift

Die  Bank,  Jahrgang  1918,  Heft  10  und  11.
            
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