Zusammenfassung der Ergebnisse.
53
deutlich zum Ausdruck, daß nicht nur die Preise im Inland durch
die Ein- und Ausfuhr auf die Gestaltung der Wechselkurse ein
wirken, sondern daß sie auch einen selbständigen Grund bei der
Bewertung der deutschen Zahlungsmittel im Ausland bilden.
VII. Zusammenfassung der Ergebnisse.
Vereinigt man die in den Abschnitten I—VI gezeichneten
Einzelbilder zu einem Gesamtbild, so läßt sich von der Art und
dem Umfang der in Deutschland herrschenden Inflation das Fol
gende sagen:
1. Die von der Reichsfinanzverwaltung während der Kriegszeit
verausgabten 160 Milharden Mark, aufgebracht aus Krediten bei
der Reichsbank und aus der Zurückleihüng der Kaufkraft von den
Einzelwirtschaften bzw. den Banken auf das Reich, haben bei ihrer
Verausgabung zunächst die Zahlungsmittel und Zahlungseinrich
tungen — Noten, Giro- und Scheckverkehr —, deren Ausdehnung
stoßweise vergrößernd, durchlaufen und bei einer großen Zahl von
Empfängern der Zahlungen entweder kaufbereiten Gegenwert für
ausverkaufte Bestände öder unmittelbar oder mittelbar — durch
Ausscheiden der Kosten aus den Einnahmen — stark und sehr stark
erhöhte Einkommen gebildet. Mit dieser täglich in größtem Um
fange neu entstandenen Kaufkraft konnten mit Leichtigkeit Güter
und Dienstleistungen aller Art gekauft werden, wodurch die aus
dem gewaltigen Kriegsbedarf, aus der Vernichtung zahlreicher Güter
durch den Krieg und aus dem Mangel an umsatzfähigen Gütern
entstehende Tendenz zur Preissteigerung in der wirkungsvollsten
Weise verstärkt wurde. Die anhaltenden Preissteigerungen wie die
größeren Kassenreserven auf Grund der erhöhten Preise haben die
Bindung dauernd steigender Mengen Zahlungsmittel — Noten und
Darlehnskassenscheine — zur Folge gehabt. Erst mit der Zunahme
der Thesaurierung von Papiergeld — in der Hauptsache seit der
politischen Umwälzung — ist dieser Teil des Papiergeldes Aus
drucksmittel für die aufgeblähte Kaufkraft der Einzelwirtschaften
geworden. Sonst ist der erhöhte Umlauf an Noten durchaus Folge
der herrschenden Teuerung, des Zahlungsmittelbedarfes, keines
wegs aber die Ursache der Inflation (vgl. unten). Dagegen bot die
Aufnahme von insgesamt etwa 34 Milliarden Mark Papiergeld (am
31. Dezember 1918) durch den Verkehr Raum, um in dieser Höhe
Mittel für die Reichskasse unverzinslich flüssig zu machen.