Ganz anders liegen die Dinge für Schumpeter..- Betrachten
wir zunächst Schumpeters. Stellung zu Böhm-Bawerks
erstem Grunde, der Unterschätzung zukünftiger Güter infolge
des verschiedenen Verhältnisses von Bedarf und Deckung in
Gegenwart und Zukunft, „Es ist selbstverständlich, daß jemand,
der eine Erbschaft zu erwarten hat oder der sonst auf eine Ver-
änderung seiner Lage hoffen kann, vernünftigerweise gegen-
wärtiges Geld höher schätzt als künftiges. Und es ist ebenso
selbstverständlich, daß jemand, der z. B. an die Verringerung
seines Arbeitseinkommens in höherem Alter denkt, das Um-
gekehrte tut .... Sicher ist nur, daß der Zins eine höchst
geringe Bedeutung haben würde. Nur ein paar Wucherer
könnten von ihm leben. Zinszahlen würde. als Anomalie
empfunden werden. Und deshalb können wir uns sagen, daß wir
den Zins mit Recht aus dem Kreislauf ausgeschlossen haben.
Ein wesentliches Element des Wirtschaftsprozesses
wäre er da sicher nicht‘). An anderer Stelle, anläßlich
der Kritik Böhm-Bawerks?), kennzeichnet er die Stellung
des ersten Grundes in seiner Theorie folgendermaßen: „Den
ersten — Ungleichheit der wirtschaftlichen Lage in Gegenwart
und Zukunft — akzeptiert sie ohne weiteres. Nichts liegt mir
ferner, als ihn zu „bagatellisieren‘“ — so fern liegt mir das, daß
man, wenn man wollte, meine ganze Zinstheorie als eine Ent-
wicklung dieses Grundes bezeichnen könnte‘‘3).
Wir stellen zunächst fest: In der Schumpeterschen Statik
kann nur Konsumtivzins existieren, und dann auch nur als
Anömalie, infolge irgendwelcher besonderer Umstände, die
eine Verschiedenheit im Verhältnisse von Bedarf und Deckung
in Gegenwart und Zukunft hervorrufen, Eine allgemeine Er-
scheinung ist hier Böhm-Bawerks erster Grund also nicht.
Unter Schumpeters Voraussetzungen stimmen wir diesem
Resultate zu. Wir sehen eine gewissermaßen ewig stationäre
1) Schumpeter, Entwicklung, S. 286 (Unterstreichung stammt von
Schumpeter). |
N sen Böhm-Bawerk, Eine „dynamische“ Theorie d. Kapitalzinses,
. sy Schumpeter, Entgegnung, S. 606/07. Vgl. auch Schumpet
Entwicklung, S. 242. E g peter,