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französischen Gesandten in Hamburg, die den Hansestädten gegen
einmalige Zahlung von 6 Millionen Livres und eine jährliche
Subsidie von 2 Millionen abermals den militärischen Schutz Frank
reichs aufnötigen wollten, mißlang deshalb. Die Städte beeilten
sich zwar in ihrem Schreiben vom 9. April 1806 den Schutz und
das Wohlwollen Napoleons anzurufen, jedoch in Wendungen, die
das Erbetene ausdrücklich nur als einen Ausfluß der schon 1803
erteilten Zusicherung der Unabhängigkeit und ewigen Neutralität
hinstellten. Auch daß sie gleichzeitig dasselbe Ersuchen an Kaiser-
Alexander richteten, bewies, daß sie an ihrer alten Forderung:
europäische Garantie statt Protektion, festhielten.
Die Gunst des Imperators mochten sie allerdings nicht ver
scherzen, da ihnen seit der Besetzung Hannovers durch Preußen
(Frühjahr 1806) wieder einmal die Gefahr der preußischen Annektion
aus unmittelbarer Nähe drohte. Seit April hatte England zudem
m Beantwortung der preußischen Handelssperre von neuem die
Blockade über Elbe, Weser und Jade verhängt und die hansea
tischen Schiffe, wie die preußischen, mit Embargo belegt. Je näher
freilich die kriegerische Auseinandersetzung zwischen Preußen und
Frankreich rückte, desto mehr wurde die Blockade gemildert, um
schließlich Anfang Oktober völlig aufgehoben zu werden. Die
plötzliche Ankunft der wieder freigegebenen hanseatischen Schiffe
erzeugte eine Überfüllung des Hamburger Marktes mit Kolonial
waren, während gleichzeitig der Absatz im Binnenlande infolge
der Kriegswirren immer niehr zurückging.
Die Auflösung des Reiches, die Gründung des Rheinbundes
im Sommer 1806 drängten endlich die Städte zu entschiedener
Stellungnahme. Preußen wünschte ihren Anschluß an den zu
begründenden „Nordischen Reichsbund", doch das Veto Napoleons,
das Abraten Englands und ihre eigene Abneigung gegen Aufgabe
ber Neutralität, standen dem entgegen. Im Herbst 1806 ver
einigten sich Deputierte der drei Hansestädte in Lübeck, um ihre
künftige politische Stellung zu beraten. Das große Wort auf
diesen hanseatischen Konferenzen führte der Bremer Johann Smidt,
ursprünglich Theologe, mit jungen Jahren schon zum Senator
ernannt, ein hochgebildeter, geistig ungemein regsamer Mann. Er
trat entschieden für völlige Unabhängigkeit der Städte unter euro
päischer Garantie ein, widerriet namentlich einen Anschluß an