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in der jetzigen Verwirrung könne er nichts ändern. Und dabei
blieb es.
Napoleon hatte anfänglich die Absicht gehabt, die beschlag
nahmten Waren nach Frankreich transportieren zu lassen, ließ sich
aber überzeugen, daß der Transport zu schwierig und kostspielig
sei. Man ließ sich daher von französischer Seite auf das Aner
bieten des Hamburger Senats ein, die Waren zurückzukaufen,
wozu dieser im April 1807 von der Bürgerschaft autorisiert worden
war. Leitender Beweggrund war dabei, daß man englische Re
pressalien zu vermeiden wünschte, zu denen England bequeme Ge
legenheit hatte — schätzte man doch allein das auf See und in
England befindliche Hamburger Eigentum auf über 24 Millionen
Mark Banko. Nun begann das Feilschen um die Höhe der zu
zahlenden Summe. Die französische Ausführungskommission hatte
den Wert der beschlagnahmten und zurückzukaufenden Waren
endgültig auf die oben angegebenen Beträge festgesetzt. In Hamburg
erklärte man diese Forderung für ungeheuerlich. 7 Millionen habe
man schon für Einquartierungskosten und Requisitionen geopfert,
und dabei sei Hamburg eine neutrale, unabhängige, befreundete
Stadt, dürfe nicht, wie das eroberte Leipzig, nach Kriegsrecht be
handelt werden. Sechs Btillionen war das höchste Angebot, das
man für die Aufhebung der Beschlagnahme machen zu können
erklärte. „Sie sind ein zu guter Beobachter," schrieb Syndikus
Gries am 19. Juni 1807 an Bourrienne, „als daß es Ihnen
entgehen könnte, daß das Gedeihen, dessen sich unsere unglückliche
Stadt erfreute, vielmehr auf der Schnelligkeit des Umsatzes und
der großen Zahl der Geschäfte beruhte, als auf den Kapitalien
ihrer Bewohner, und daß, aus demselben Grunde, dieses Gedeihen
mehr scheinbar als wirklich war. . . Wie könnte sie also im
Stande sein, eine so ungeheure Summe, wie 16 Millionen fr. zu
zahlen" ? Indes, Napoleon blieb unerbittlich; 2 Millionen auf
Lieferungen anzurechnen, war das äußerste Zugeständnis, zu dem
er sich herbeiließ. Was blieb den „befreundeten" Städten übrig,
als sich in das Unvermeidliche zu fügen? Am 23. September 1807
wurde der Vertrag unterzeichnet: 4 Millionen fr. zahlte Hamburg
bar, den Rest in Wechseln, und zwar in Raten von je 2 Millionen,
zahlbar Ende jedes Monats von Oktober 1807 bis Februar 1808.
Rund 2 Millionen für Lieferungen machten die Summe von