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Bedürfnisse und Arbeit.
Haupt den Namen Arbeit verdient. Das Charakteristische an
der Menschenarbeit ist zu allen Zeiten die Anstrengung, die
Mühe: „Du sollst im Schweiße Deines Angesichts arbeiten".
Kann man von den Tieren sagen, daß sie im Schweiße ihres
Angesichts arbeiten? Dieser Satz scheint nicht nur im über
tragenen Sinne ungereimt: er ist es in eigentlichem Sinne.
Es scheint nicht, daß ihre Tätigkeit den Charakter einer Auf
gabe hat, wie das für den Menschen der Fall ist, sondern die
Arbeit scheint eher eine natürliche Funktion zu sein. Der
Vogel baut sein Nest, wie er zwitschert, und die Biene bereitet
ihren Honig, wie sie summt. Man kann sie sich nicht vor
stellen, wie sie jeden Morgen sich zuruft: Auf zur Tagesarbeit!
— Die Arbeit scheint für sie eine körperliche Übung, eine
Lebensform — dasselbe, was nach dem Bericht der Genesis
die Arbeit des Menschen vor dem Sündenfall gewesen sein
muß, dort im Garten Eden, wo er nur die Früchte von den
Bäumen zu pflücken hatte — als ob die Tiere nicht in
den Fall mit eingeschlossen gewesen wären und so das göttliche
Vorrecht der fröhlichen Arbeit behalten hätten. Aber es ist
für die Söhne Adams verloren gegangen, und nicht mit
Unrecht hat man den Menschen definiert als das faule Tier.
Und doch sagt der Mensch gern, daß die Tiere Faulpelze
sind. Wäre es für die Haustiere wahr, so ist es wohl ent
schuldbar, da diese ja nur Sklaven sind und daher nur
Sklavenarbeit zu liefern haben. Aber selbst im Hinblick auf
diese, welche Ungerechtigkeit, wenn man an die Tätigkeit des
Hunds auf der Jagd denkt, wo er den ganzen Tag keuchend
umherläuft, um seinem Herrn das Wildpret zuzutragen, oder
an den Ochsen am Pflug, das Pferd im Geschirr! Welcher
Arbeitgeber wäre nicht glücklich, wenn er heutzutage Lohn
arbeiter hätte, die nicht fauler wären als jene treuen Arbeits
gefährten?
Was die wilden Tiere angeht, so ist es ja richtig: wenn
sie ihre, wie ich eben gezeigt, sehr einfachen Bedürfnisse be
friedigt haben, so fühlen sie nicht das Bedürfnis, sich weiteren
Anstrengungen auszusetzen. Folglich ruhen sie sich aus; das
will nicht besagen, daß sie faul sind, das besagt nur, daß sie nur
das Notwendige tun.
Es bliebe nun noch zu erfahren, warum die Arbeit für
den Menschen nicht ebenso heiter und leicht ist wie für das
Tier. Warum trägt sie den Charakter eines Fluches? Man
kann es sich nur zu leicht erklären, wenn es sich um die Arbeit
handelt, unter der das Menschengeschlecht Jahrhunderte lang