Full text: Anfangsgründe der Volkswirtschaftslehre

Bedürfnisse und Arbeit. 
13 
gehabt zu haben. Er spielt, so scheint es, die Rolle des Ge 
narrten, indem er sich Herkulesarbeiten auflädt, um seine 
Aufgabe zu vermindern. Aber diese Rolle des Genarrten, 
welche die Natur ihn spielen läßt, ist ein Segen. Glückliche 
Täuschung über das Ziel, das vor ihm flieht, und das mit dem 
Tage stehen bleiben würde, an dem die Arbeit nur noch das 
Summen der Biene oder das Zwitschern des Vogels sein 
würde, oder nur das, was ein von mir sehr geschätzter 
Sozialist, Fourier, unter der Bezeichnung „anziehende Arbeit" 
verwirklichen wollte. 
Wir wollen also nicht bedauern, daß die Arbeit für die 
Menschen etwas anderes ist als für die Tiere, daß sie aufgehört 
hat, eine einfache natürliche Funktion zu sein; wir wollen auch 
nicht wünschen, daß sie eine Art Sport wird; denn dann würde 
sie unproduktiv sein. Wir wollen ihr vielmehr mit Teilnahme 
auf jenem langen und mühevollen Aufstieg folgen, wo sie sich 
bei jeder Etappe veredelt: zunächst kennt sie als einzigen 
Beweggrund die Peitsche, dann den Zwang, schon unter einer 
gemilderten Form, der aber nichtsdestoweniger die Notwen 
digkeit, das tägliche Brot zu verdienen, bedeutet; dann den 
Eigennutz, der einen immer größeren Anteil an den Früchten 
der Arbeit für sich beansprucht. Und wenn dann die Arbeit 
sich endlich zur Würde des Dienstes an der Allgemeinheit 
emporhebt, dann wird sie keinen andern Beweggrund mehr 
zulassen als das öffentliche Wohl und die Pflicht der 
Solidarität. 
übrigens scheint diese Entwicklung der Arbeit, die zu 
einem Dienst an der Gesellschaft geworden ist, schon in gewissen 
Tiergemeinschaften verwirklicht zu sein: mit Gewißheit kann 
man von der Biene behaupten, daß sie nicht für sich, sondern 
für den Stock arbeitet, und daß sie sich zweifellos dessen 
bewußt ist. 
Das Kapital. Soviel über den Ursprung der Arbeit, aber 
nun zu einem anderen Begriff, der schon bei den Tieren er 
scheint, nämlich zu dem des Eigentums. Eigentum ist hierfür 
ein zu anspruchsvolles Wort; denn es hat durch vielhundertjäh 
rige Entwicklung einen ganz bestimmten Sinn; wir wollen lieber 
Aneignung sagen, das soll heißen jene Neigung des Lebe 
wesens, in der Außenwelt gewisse Dinge zu sehn, die seinen 
Bedürfnissen zu entsprechen scheinen, die bei ihm das Begehren 
hervorrufen, und die es sich dann anzueignen sucht, „zu seinem 
eigenen zu machen" im tieferen Sinne des Wortes. Nun ist
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.