Bedürfnisse und Arbeit.
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gehabt zu haben. Er spielt, so scheint es, die Rolle des Ge
narrten, indem er sich Herkulesarbeiten auflädt, um seine
Aufgabe zu vermindern. Aber diese Rolle des Genarrten,
welche die Natur ihn spielen läßt, ist ein Segen. Glückliche
Täuschung über das Ziel, das vor ihm flieht, und das mit dem
Tage stehen bleiben würde, an dem die Arbeit nur noch das
Summen der Biene oder das Zwitschern des Vogels sein
würde, oder nur das, was ein von mir sehr geschätzter
Sozialist, Fourier, unter der Bezeichnung „anziehende Arbeit"
verwirklichen wollte.
Wir wollen also nicht bedauern, daß die Arbeit für die
Menschen etwas anderes ist als für die Tiere, daß sie aufgehört
hat, eine einfache natürliche Funktion zu sein; wir wollen auch
nicht wünschen, daß sie eine Art Sport wird; denn dann würde
sie unproduktiv sein. Wir wollen ihr vielmehr mit Teilnahme
auf jenem langen und mühevollen Aufstieg folgen, wo sie sich
bei jeder Etappe veredelt: zunächst kennt sie als einzigen
Beweggrund die Peitsche, dann den Zwang, schon unter einer
gemilderten Form, der aber nichtsdestoweniger die Notwen
digkeit, das tägliche Brot zu verdienen, bedeutet; dann den
Eigennutz, der einen immer größeren Anteil an den Früchten
der Arbeit für sich beansprucht. Und wenn dann die Arbeit
sich endlich zur Würde des Dienstes an der Allgemeinheit
emporhebt, dann wird sie keinen andern Beweggrund mehr
zulassen als das öffentliche Wohl und die Pflicht der
Solidarität.
übrigens scheint diese Entwicklung der Arbeit, die zu
einem Dienst an der Gesellschaft geworden ist, schon in gewissen
Tiergemeinschaften verwirklicht zu sein: mit Gewißheit kann
man von der Biene behaupten, daß sie nicht für sich, sondern
für den Stock arbeitet, und daß sie sich zweifellos dessen
bewußt ist.
Das Kapital. Soviel über den Ursprung der Arbeit, aber
nun zu einem anderen Begriff, der schon bei den Tieren er
scheint, nämlich zu dem des Eigentums. Eigentum ist hierfür
ein zu anspruchsvolles Wort; denn es hat durch vielhundertjäh
rige Entwicklung einen ganz bestimmten Sinn; wir wollen lieber
Aneignung sagen, das soll heißen jene Neigung des Lebe
wesens, in der Außenwelt gewisse Dinge zu sehn, die seinen
Bedürfnissen zu entsprechen scheinen, die bei ihm das Begehren
hervorrufen, und die es sich dann anzueignen sucht, „zu seinem
eigenen zu machen" im tieferen Sinne des Wortes. Nun ist