Full text : Anfangsgründe der Volkswirtschaftslehre

38  Anfangsgründe  der  Volkswirtschaftslehre.

doppelte  Messen,  wodurch  jede  Ware  hindurchgeht,  ist,  wie  man
sehr  wohl  weiß,  der  Preis.  Der  Preis  der  Dinge  ist  genau  !
das  Maß  ihres  Wertes  in  Geld.
Da  haben  wir  also  den  Begriff  des  Maßes  in  den  wirtschaftlichen ­
  Beziehungen.  Und  die  Einführung  des  Maßbegrifses
  in  eine  Wissenschaft  besagt  in  der  Tat  nicht  wenig.  Die
Volkswirtschaftslehre  ist  erst  eine  Wissenschaft  geworden  und
konnte  es  erst  werden  mit  dem  Tage,  wo  sie  in  dem  Gelde  ein
Maßinstrument  gefunden  hat,  das  ihr  gestattet,  jeden  Wert
auf  einen  quantitativen  Begriff  zurückzuführen.
Gold  und  Silber  lassen  sich  sehr  genau  wiegen.  Lange  ...
§ eit  hindurch  ist  das  Geld  bei  den  Tauschgeschäften  in  dieser
orm  ausgetreten,  nämlich  in  Gestalt  einer  gewissen  Menge,
sei  es  nun  eines  Silberbarrens  oder  des  Goldstaubs,  den
man  wog.  Noch  vor  nicht  langer  Zeit  trugen  alle  Kaufleute
in  China  eine  Wage,  und  bei  jedem  Kauf  oder  Verkauf  bedienten ­
  sie  sich  der  Wage,  nicht  etwa,  wie  heutzutage  der
Fleischer  oder  Krämer,  um  die  Ware  zu  wiegen,  sondern  um
das  Geld  zu  wiegen.  Es  war  ein  genialer  Gedanke,  im  voraus
gewogene  Barren  zu  verwenden,  von  einem  genau  bestimmten
und  bekannten  Gewicht,  und  sie  mit  einem  Siegel  zu  versehn,
das  die  Genauigkeit  des  Gewichts  garantieren  sollte.  Man
weiß  nicht  genau,  wer  zuerst  Geld  geprägt  hat,  aber  man
weiß,  daß  cs  in  Kleinasien  geschah,  ganz  nahe  bei  jenem
Phönizien,  das  uns  das  Alphabet  geschenkt  hat.
In  jenem  Augenblick  erst  beginnt  das  Zeitalter  des  eigentlichen ­
  Geldes,  wie  wir  es  kennen,  der  geschlagenen  Münze.
Alles,  was  man  Münzeinheiten  nennt,  der  Frank,  das  Pfund,
die  Mark,  die  Krone,  der  Dollar,  der  Gulden,  sind  kleine
Stücke  von  einem  gesetzlich  festgelegten  Gewicht:  der  Frank
z.  B.  ist  ein  Stück  von  fünf  Gramm  Silber  mit  einer  gewissen
Legierung  von  Kupfer.  Der  Staat  setzt  seine  Unterschrift  in
Gestalt  eines  Herrschcrbildes  oder  einer  konventionellen  Abbildung ­
  darauf,  um  zu  bezeugen,  daß  das  Stück  das  angegebene ­
  Gewicht  richtig  wiegt.  Und  diejenigen,  die  diese  Unterschrift ­
  nachmachen,  die  Falschmünzer,  werden  mit  schwersten
Strafen  belegt.  Im  Mittelalter  wurden  sie  in  einen  Bottich
mit  siedendem  81  geworfen.  Diese  schrecklichen  Strafen  rechtfertigten
  sich  mit  der  Notwendigkeit,  der  Öffentlichkeit  volles
Vertrauen  zu  jener  Unterschrift  des  Staates  auf  dem  Geldstück
zu  geben.
Erst  seit  Auftreten  der  Münze  hat  man  den  Wert  jeder
Ware  und  auch  den  Wert  jeder  Dienstleistung  messen  können.
            
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