Full text: Anfangsgründe der Volkswirtschaftslehre

Das Geld. 
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Silber einzutauschen. Man nimmt die Banknote nicht, um 
sie sich umwechseln zu lassen, sondern um sie auszugeben, und 
weil man das feste Vertrauen hat — das durch die tägliche 
Erfahrung gerechtfertigt und übrigens durch das Gesetz sank 
tioniert wird — daß bei einem beliebigen Einkauf oder bei 
Bezahlung einer Schuld der Kaufmann oder der Gläubiger 
diese 100-Franknote als Gegenwert für 100 Frank an 
nehmen wird. 
Und selbst wenn es sich um Metallgeld handelt, so ist 
niemand auf den Gedanken gekommen, sich beim Empfang 
eines Gold- oder Silberstücks zu sagen: „Ich will es beim 
Goldschmied verkaufen". Man nimmt das Gold- oder Silber 
stück, weil man weiß, daß jedermann es in gleicher Weise zum 
selben Wert annehmen wird. Dies läuft darauf hinaus, daß 
das, was den Wert eines Geldstücks ausmacht, das einmütige 
Vertrauen ist, daß jeder dieses Geld annehmen wird*). 
Der Wert des Geldes beruht also auf einer wechsel 
seitigen Übereinkunft aller Inhaber, daß jeder es annehmen 
wird — handelt es sich nun um das Geld eines einzelnen 
Landes, die Banknote, dann beruht es auf der Übereinkunft in 
ein und demselben Lande, oder ein internationales Geld wie 
das Gold, dann beruht es auf dem Einvernehmen der ganzen 
Welt. 
Ebenso wie man beim Kartenspielen statt des Geldes oft 
weiße, grüne oder rote Spielmarken benutzt, die einen.ver 
abredeten Wert besitzen und die am Schluß des Spiels als 
Geld ohne Rücksicht auf ihren inneren Wert angenommen 
werden — ebenso macht man es mit den Münzen, nur mit 
dem Unterschied, daß jene Marken aus Gold oder Silber ihren 
Wert auf die Übereinkunft von mehreren hundert Millionen 
Menschen gründen statt auf die Abrede von vier Teilnehmern 
einer Whist- oder Bridgepartie. 
Dieser konventionelle Charakter des Wertes liegt übrigens 
allen Reichtümern zu gründe: wenn eine Frau ein Perlen 
halsband mit 100 000 Frank bezahlt, tut sie es, weil sie glaubt, 
daß das Halsband sie schön machen wird — und wenn ein 
i) Wenn es wahr ist, baß der Goldbarren, der das 20-Frankstück bildet, aus dem 
Markt 20 Franken wert ist, so rührt das nicht etwa daher, weil das Gold zur Her 
stellung von Kleinodien dient, sondern weil es hauptsächlich zur Herstellung von Geld 
dient. Die Hauptgoldkäufer sind nicht die Goldschmiede, sondern die Münzstätten. Es ist 
also eine Schlußfolgerung im Kreise, wie man zu sagen pflegt, ein circulus vitiosus. 
Wenn es wahr wäre, daß der Wert des Geldes nur den Handelswert des Metalls zur 
Grundlage habe, so würde es nur wenig bedeuten. Um sich davon zu überzeugen, 
braucht man sich nur zu fragen, was vom Wert dieser Geldstücke übrig bliebe an dem 
Tage, Ivo sie außer Kurs gesetzt würden.
	        
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