Full text: Anfangsgründe der Volkswirtschaftslehre

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Pacht und Leihen auf Zins. 
Warum sollen wir uns heute über das Schicksal der Geld 
entleiher aufregen? Sollten wir einen Feldzug unternehmen, 
wie etwa die Kirchenväter, wie Proudhon, und die Unentgelt 
lichkeit des Kredits fordern zum Nutzen der Banque de France? 
oder der Suezkanalgesellschaft? oder der Royal Dutch? 
Allenfalls könnte man von uns, wo es sich um den Staat 
handelt, unentgeltliches Geldleihen verlangen, weil so viele 
andere während des Kriegs ihr Blut und ihr Leben unent 
geltlich hergegeben haben — das ließe sich noch halten, wenn 
gleich man es übrigens für klüger hält, es nicht zu wagen. 
Aber wenn man von uns verlangte, umsonst an Eisen 
bahn- oder Bergwerksgesellschaften, an Judustriegesellschaften, 
zu leihen bloß zu dem Zwecke, ihnen die Verteilung größerer 
Dividenden zu ermöglichen oder den Kurs ihrer Aktien an der 
Börse höher zu bringen, so wäre das im höchsten Grade 
komisch. 
Das ist ein treffendes Beispiel für die Art und Weise, in 
der sich die wirtschaftlichen Probleme im Verlauf der Geschichte 
entwickeln. 
Die Miete. Wenn nun auch die Frage der Pacht und die 
des Zinsnehmens erledigt sind, so bleibt doch eine dritte Frage, 
die ganz nahe mit ihnen verwandt ist, und die doch dringender 
als je geworden ist: die der Hausmiete. 
Hier hat man umgekehrt ein seltsames Beispiel für eine 
Frage, die einst nicht vorhanden war und die sich heutzutage 
mit furchtbarem Ernst aufdrängt. Infolge des Entstehens 
großer städtischer Mittelpunkte sind die Häuser ein Monopol 
geworden, während die Kapitalien es nicht mehr sind. Und 
für sie wird folglich, wie einst für das Geld, die Hausmiete 
„wucherisch", so daß man sich fragt, ob man nicht auf sie das 
Gesetz des Höchstpreises anwenden muß, das man soeben für 
das Mieten des Geldes abgeschafft hat. 
Aber eine solche Maßnahme würde nicht wirksamer sein, 
als die Gesetze gegen den Wucher waren. Im Gegenteil: sie 
würde das Übel verschlimmern, indem sie die Lust zum Bau 
; der Mietshäuser, der „Zinshäuser", wie man sagt, den Leuten 
nehmen würde. Es würde alle Nichthausbesitzer in die un 
angenehme Notwendigkeit versetzen, sich für sich ein Haus bauen 
zu lassen, wenn sie wohnen wollen, und das würde noch eine 
schwerere Belastung sein. 
Ich sehe nur zwei Lösungen für die Mietsfragen. Die 
erste ist eine Bevölkerungsverminderung, wenigstens in den
	        
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