Metadata: Der Weltverkehr und seine Mittel

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Fairlie- und Günther-Meyer-Lokomotive. 
Art thätig. Sie wiegen betriebsfähig 19 812 kg und durchlaufen mit 20—30 km/Std.- 
Geschwindigkeit leicht die zahlreichen scharfen Kurven (bis 35 in Halbmesser) dieser Linie, 
was namentlich bei einer Fahrt auf dem Führerstande scharf hervortritt. 
Merkwürdigerweise gleicht aber auch die schwerste und leistungsfähigste Lokomotive, 
die in dem Jahrhundert des Dampfes überhaupt gebaut wurde, äußerlich der Fairlie- 
maschine. Sie ist auf der Gebirgsstrecke Tampico-Mexiko der mexikanischen Zentralbahn 
im Betriebe und besitzt 14 Meter Gesamtradstand! Dieser Lokomotivriese besitzt zwei 
Kessel mit zwei Schornsteinen, acht Dampfcylinder und acht Achsen, von denen sechs — zu 
je drei in einem Drehgestell — gekuppelt sind, während die beiden Endachsen als kurven 
bewegliche Laufachsen ausgebildet sind. Die Tenderlokomotive wiegt dienstbereit 113 500kg, 
wovon 95 300 kg auf die zwölf Triebräder entfallen. Die Übertragung der Dampf 
arbeit von den hier fest gelagerten Cylindern ans die kurvenbeweglichen Radachsen — 
die normalspurige Bahn weist Kurven von nur 80 in Halbmesser auf — ist in sehr 
geschickter Weise durchgeführt und macht der Konstruktionsgabe ihres Erbauers Johnstone 
alle Ehre, ist aber andererseits doch so verwickelt, daß sie schwerlich Nachahmung finden 
222. MaUcts DuplrL-Urrbnnd-Lokomoliuc, 1890. 
Erbaut von der Schweizer Lolomottv- und Maschinenfabrik Winterthur. 
wird, zumal man so große Leistungen auch einfacher, nach Art der alten Giovi-Zwillings- 
lokomotiven, hätte erreichen können. 
Die Lokomotive von Meyer, diesem seltsamerweise 1861 in Belgien patentiert und 
1873 auf der Wiener Weltausstellung unter jenem Namen neu vorgeführt, ist nichts 
anderes als die alte, von Meyer neu aufgeputzte Semmeringlokomotive „Wiener-Neustadt" 
von Günther. Wie bei dieser sind auch hier zwei unabhängige, ganz gleichartige Dreh 
gestelle angeordnet, deren Dampfcylinder einander zugekehrt sind. Im Gegensatze zu 
Fairlie ist hier aber nur ein Kessel mit langen Siederöhren vorhanden. — Eine bemerkens 
werte neuzeitliche Ausführung der sog. Meyer-Lokomotive findet sich auf der in den 
Abschnitten „Schmalspurbahnen" (S. 94) und „Oberbau" (S. 155) genannten Wallücke 
bahn, deren Spurweite (60 cm) nur wenige Millimeter größer als diejenige der viel 
bewunderten Festiniogbahu in Wales (59 cm) ist. Ihre Lokomotive zeigt völlige Über 
einstimmung mit der Günther-Lokomotive vom Jahre 1851, wie ein Vergleich der Abb. 216 
und 221 ohne weiteres erkennen läßt. Es ist daher richtiger, diese Lokomotivgattung 
mit „Günther-Lokomotive" zu bezeichnen, oder doch wenigstens mit Günther-Meyer. Die 
Lokomotive der Abb. 221 wiegt dienstbereit 20 000 kg, also fast genau soviel wie die 
Fairlie-Lokomotive der Festiniogbahn. Sie kann anstandslos mit 35 km/Std. fahren; 
gestattet sind freilich nur 20 km. Die Hauptabmessungen sind: 
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