fullscreen: Grundzüge der Sozialpolitik

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I. Teil. Allgemeines. 
daß eine starke Reaktion der Kreise ein tritt, auf deren Mitwirkung 
die Sozialpolitik vor allem rechnen muß. Sowohl die Unternehmer 
wie die Arbeiter können trotz des guten Zweckes durch das gleich 
zeitige Anfassen vieler sozialpolitischer Aufgaben und durch schnelle 
Aufeinanderfolge der Eingriffe beunruhigt und unzufrieden gemacht 
werden, und dadurch kann sich eine Auffassung entwickeln, die eine 
gewisse Abneigung, einen passiven Widerstand gegen weitere Eingriffe 
zur Folge hat. Schon das mahnt dazu, das Zeitmaß der sozialpolitischen 
Eingriffe nicht unnötig zu beschleunigen. Man braucht keine wichtige 
Maßregel zu unterlassen, aber man kann ihre zeitliche Aufeinander 
folge in den meisten Fällen so regeln, daß sie immer auf einen auf 
nahmefähigen und aufnahmewilligen, nicht übersättigten Boden rechnen 
können. Eine Überstürzung ist von Übel. Zu einem verständigen 
Zeitmaß mahnt auch die Erwägung, daß gerade auf sozialpolitischem 
Gebiete Fehlgriffe sorgfältig vermieden werden müssen. Es ist sehr 
schwer, einmal in Geltung gesetzte Umgestaltungen wieder rückgängig 
zu machen. Die damit verbundenen Enttäuschungen der arbeitenden 
Klassen bieten eine willkommene Handhabe, zu allerlei Agitationen 
und leicht wird dadurch eine Unzufriedenheit in den Arbeiterkreisen 
erzeugt, die manchen moralischen Erfolg anderer Maßregeln hinfällig 
macht. Die Aufgaben, die von der Sozialpolitik zu lösen sind, bieten 
überdies so erhebliche und zahlreiche Schwierigkeiten, daß es nötig ist, 
die Pläne zu Lösungsversuchen erst ausreifen zu lassen, wenn nicht 
dringende Gründe vor allem ein schnelles Eingreifen nötig machen. 
Es ist weiterhin nötig, ein planloses Arbeiten von Fall zu Fall 
möglichst zu vermeiden. Bis zu gewissem Grade wird freilich das 
sozialpolitische Eingreifen immer den Charakter eines durch besondere 
Anlässe gerade in der betreffenden Zeit nahegelegten Vorgehens tragen. 
Denn es läßt sich nicht vermeiden, daß von den einzelnen Wirkungen 
der vorhandenen Hauptgruppen der Übelstände manche erst bei be 
stimmten, mehr zufälligen Anlässen die Aufmerksamkeit erregen und 
dann das Streben nach Abhilfe hervorrufen. Aber in den Hauptzügen 
des sozialen Reformwerkes muß eine gewisse planmäßige Aufeinander 
folge innegehalten werden, weil die eine Gruppe von Maßregeln durch 
andere beeinflußt und oft geradezu bedingt ist und deshalb erst nach 
Erfüllung bestimmter Voraussetzungen in Angriff genommen werden 
kann. Derartige Rücksichten schließen nicht im mindesten einen 
„Stillstand“ der Sozialreform ein, von dem von Zeit zu Zeit in den 
öffentlichen Blättern die Rede ist, sondern bedeuten nur den Versuch, 
die zweckmäßigste Aufeinanderfolge der sich bedingenden und er 
gänzenden sozialpolitischen Maßregeln ausfindig zu machen, um so die 
Widerstände persönlicher und sachlicher Art, die dem Erfolge des Ein 
greifens entgegenstehen, auf das geringste Maß herabzudrücken.
	        
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