Full text: Die Textilindustrie sämtlicher Staaten

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Türkei. Textilindustrie. 
Smyrna eine große Fabrik für Handknüpferei und eine Färberei, in der das 
Material für ihre hiesigen, wie für ihre zahlreichen kleineren Werkstätten und 
die von ihr abhängige Hausknüpferei im Innern zubereitet wird. Die Gesamtzahl 
der vom Trust im hiesigen Lande beschäftigten Arbeiter wird auf 40000 an 
gegeben. Zwecks besserer Ausnutzung der Wollqualitäten hat die Gesellschaft 
bedeutende Lieferungen für Militärbedürfnisse mit der türkischen Regierung ab 
geschlossen und im Jahre 1911 in Smyrna die „Ottoman Cloth Company Limited“ 
ins Leben gerufen, die im Jahre 1913 in ihren unmittelbaren Besitz übergehen 
wird. In dieser Fabrik werden außer den geringen Wollsorten, wie sie auch 
den Gegenstand der eben erwähnten Militärlieferungen bilden, vor allem die 
zahlreichen Abfälle der Teppichindustrie verwertet. Außerdem hat sich die 
Gesellschaft eine Aushilfsspinnerei und -färbei-ei gesichert. 
Der Trust ist auf diese Weise in der Lage, verhältnismäßig billig die 
feinste Wolle für die Teppichknüpferei auszuwählen. 
Die große Ausdehnung seines Wollgeschäftes und die gesteigerte Ausnutzung 
des Materials haben dem Trust eine ausschlaggebende Stellung auf dem klein 
asiatischen Wollmarkt verschafft. 
Das Jahr 1911 hat weiter eine einschneidende Neuerung gebracht: die Aus 
dehnung der Tätigkeit des Trusts auf Persien. Im Herbst 1911 wurden mit sechs 
Konkurrenzfirmen Abkommen getroffen und zwecks deren Aufnahme in den 
Trust und Einrichtung des persischen Geschäfts — zunächst an sechs Zentren — 
das Aktienkapital im Januar 1912 auf 1000 OOO £ erhöht. 
Trotzdem im Jahre 1911 die Erzeugung durch die ungewöhnliche Kälte 
um V12 des Jahresertrags vermindert wurde und die geplante Erschließung neuer 
überseeischer Absatzgebiete nach Angabe der Gesellschaft wegen zu starker Nach 
frage aus dem bisherigen und wegen der neuen Kombinationen, betreffend Persien 
und das Wollgeschäft, unterbleiben mußte, wurden 20 Proz. Dividende gezahlt. 
Der letzte Bericht der Gesellschaft bezeichnet die Aussichten als dauernd gute. 
Konkurrenz, und damit Überproduktion, sei nicht zu befürchten, weil die Natur der 
Teppichknüpferei und die Spärlichkeit der Bevölkerung nur eine langsame all 
mähliche Vermehrung der Arbeitskräfte zulasse und eine auftauchende Konkurrenz 
ein bis zwei Jahre in Versuchen, die Materialopfer erheischen, verlieren müsse. 
In Smyrna bestehen zurzeit (Juni 1912) noch drei Konkurrenzfirmen. Die 
eine hat sich dem Vernehmen nach kürzlich mit dem Trust verständigt, besteht 
aber aus taktischen Gründen zum Scheine als „freie Konkurrenzfirma“ weiter. 
Die zweite, Partridge & Co., arbeitet ausschließlich für eine Londoner Firma. 
Die dritte, W. Griffit & Co., besitzt hier seit August 1911 eine eigene Färberei 
und in der „The Blackler Spinning Comp. Ltd.“ eine Spinnerei und scheint im 
Begriff zu stehen, mit einem deutschen Teppichhause eine gegen den Trust ge 
richtete Kombination für das persische Geschäft einzugehen. 
Die Hausindustrie im Innern ist noch zu einem erheblichen Teile vom 
Trust unabhängig. Einer ihrer bedeutendsten Mittelpunkte ist Uschak, ein 
zweiter, kaum weniger bedeutender, Isparta und Burdur, wo eine feinere Sorte
	        
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