"Geographische Verhältnisse.
außer in der durch die reichbevölkerte Hauptstadt be-
günstigten Provinz Rio de Janeiro, in der südlichen Provinz
Sao Paulo. Ferner dafür, daß die vertikale Gliederung ge-
rade in heißen Ländern eine große Rolle spielt. Wie schon
früher erwähnt, heben die hochgelegenen Gebiete weite
Landstriche in ein gemäßigtes Klima hinauf, und wir finden
auf der Hochebene Mexikos, auf der die alte Kultur der
Tolteken und Azteken erblüht war, die Bevölkerungsdichte
Spaniens!), während die tiefliegenden tropischen Gebiete
dünn bevölkert sind. Daß die Schaffung einer einigermaßen
wirksamen Fabrikindustrie eine gewisse Bevölkerungsdichte
zur Voraussetzung hat, zeigt die Entwickelung der alten
Industrieländer, ebenso zeigt aber die Bevölkerungsstatistik
der lateinisch - amerikanischen Staaten, daß viele derselben,
besonders die tropischen, dieses Mindestmaß noch nicht er-
reicht haben und bei nur einigermaßen planmäßiger Boden-
bebauung keine Menschenkraft mehr für die Einrichtung der
Industrie zur Verfügung stellen können.
Wie diese wichtige Frage der Beschaffung eines aus-
reichenden Arbeitermaterials für die Fabrikindustrie zu lösen
ist, vermag noch niemand zu sagen. Die subtropischen
Länder mit ihrer ergiebigen europäischen Einwanderung
sind ja entschieden in dieser Beziehnung besser gestellt.
In Brasilien wendet sich die Einwanderung vorzugsweise
dem gemäßigten Süden zu; die tropischen Teile dieses und
die übrigen tropischen Länder Süd- und Mittelamerikas
werden zunächst von der europäischen Masseneinwanderung
noch gemieden, und, da ihre eingeborene Bevölkerung lang-
sam zurückgeht, so sind ihre Aussichten nicht sehr günstig.
Sind die Bewohner einzelner tropischer Länder doch nicht
einmal imstande, nur ihre eigenen Nahrungsmittel dem
Boden abzugewinnen, obgleich dieser bei richtiger Pflege
alles in Fülle liefert. So schreibt Sievers?), daß in Vene-
zuela, wo der Reis den Hauptbestandteil der Nahrung der
Bevölkerung bildet, der Reisbau nur etwa 1% der ver-
brauchten Menge liefert, während 99°. von den Vereinigten
Staaten und von Europa eingeführt werden. Ahnlich, wenn
auch nicht so schlimm, steht es mit dem Mais. In solchen
Ländern, die nicht einmal imstande sind, die Fruchtbarkeit
des Bodens für die Ernährung der Bevölkerung auszunützen,
und für diese jährlich bedeutende Summen an das Ausland
1) Ratzel: Anthropogeographie Band.Il, S. 211.
2) Sievers: Venezuela S. 117.
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