Fünftes Capitel.
Die Lage der Fabrikarbeiter.
8 1. Frauen- und Kinderarbeit.
Wir haben in den vorangehenden Paragraphen gesehen,
dass unter der Einführung der grossen Fabriken beson-
ders diejenigen Arbeiter litten, die nicht in den Fabriken
waren. Es bleibt uns bewusst, dass die eigentlichen Fabrik-
arbeiter eine Minorität aller gewerklichen Arbeiter waren, und
dass dennoch die Fabriken die Verhältnisse der gesammten
Industrie umgestalteten resp. deren Umgestaltung vollendeten
und besiegelten. Wir müssen jetzt untersuchen, wie die Lage
der Fabrikarbeiter selbst im Gegensatz zu der der früheren
Hausindustriellen und Handwerker sich gestaltete,
Die charakteristischste und auch am meisten besprochene
Eigenthümlichkeit der Fabrikarbeit ist die steigende Ver-
wendung von Frauen und Kindern. Kinder, Weiber und Greise
wurden, wie wir gesehen haben, auch in der Hausindustrie
viel stärker beschäftigt als im alten Handwerk, Aber es war
doch zumeist eine nur helfende Thätigkeit, die unter Auf-
sicht des mitarbeitenden Familienhauptes vollzogen wurde.
Kam auch gelegentlich mit Kirchspiellehrlingen etc, arger Un-
fug vor, so wurden doch die Kinder nicht systematisch ge-
trennt von ihrer Familie beschäftigt und die Arbeit der Kin-
der verdrängte und ersetzte nicht geradezu in weitem Umfang
die Arbeit erwachsener Männer.
Oft schon habe ich erwähnt, dass auch in älteren Zeiten
Elend und Armuth, Vernachlässigung und menschenunwürdige