Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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Parteimitglieder  der  Gedanke  auf  und  fand  immer  mehr  Anklang,  durch
Bildung  eines  umfassenden  Zentralverbandes,  eines  nach  einheitlichen  Gesichtspunkten ­
  gegliederten  „Verbandes  der  Verbände",  die  organisatorische  Einheit
von  Groß-Berlin  wiederherzustellen.
2.  Berlins  Sozialdemokratie  um  1895  im  Spiegel  der
Polizeiberichte.
Es  gehört  nicht  viel  dazu,  das  Getriebe  einer  Organisation  zu  bespitzeln, ­
  die  ihre  Mitglieder  nach  vielen  Tausenden  zählt  und  nach  demokratischen ­
  Grundsätzen  arbeitet.  Daher  konnte  es  kein  Wunder  nehmen,
daß  nach  dem  Köllerstreich  die  Polizei  der  Staatsanwaltschaft  ein  recht
umfangreiches  Material  über  Vertrauensmännersitzungen  und  dergleichen
zuzustellen  hatte.  Es  umfaßt  mit  allen  schriftlichen  und  gedruckten  Beweisstücken ­
  mehrere  Bände  und  ward  von  der  Staatsanwaltschaft  in  der  Anklageschrift ­
  recht  anschaulich  verarbeitet.  So  ist  das  betreffende  Stück  aus
dieser  Arkunde  für  unsere  Geschichte  von  besonderem  Interesse  und  soll
daher  wörtlich  hier  Aufnahme  finden.
Die  Anklageschrift  beschreibt,  nach  einerziemlich  in  die  Einzelheiten  gehenden
allgemeinen  Einleitung  über  die  Organisaüon  der  Partei  und  ihre  Anterorgane,
  die  Verbindung  der  Parteileitung  mit  den  örtlichen  Organisationen.
Sie  kennzeichnet  die  Tätigkeit  der  Preßkommission,  der  Agitationskommission
sowie  der  Lokalkommission  in  allgemeinen  Zügen,  ohne  mehr  zu  sagen,  als
was  oben  schon  über  diese  Körper  gesagt  wurde,  und  widmet  sich  dann
eingehend  der  Beleuchtung  der  Tätigkeit  der  Vertrauensmänner  und  ihrer
Beziehungen  zu  den  Wahlvereinen.  Dieser  Abschnitt,  in  dem  wir  dort,
wo  es  sich  um  unpolitische  Vorkommnisse  handelt,  die  Namen  und  Zahlen
durch  Punkte  ersetzen,  lautet:
V.  Die  sechs  Berliner  Wahlkreise  und  die  Vertrauenspersonen.
Die  Wahlkreise  der  Vertrauenspersonen  werden  in  einem  gemeinsamen
Abschnitt  behandelt,  um  Wiederholungen  zu  vermeiden,  da  die  Tätigkeit  derselben ­
  vielfach  in  einander  übergreift  und  sich  gegenseitig  ergänzt.
In  jedem  Berliner  Reichstagswahlkreis  besteht  ein  sozialdemokratischer
Wahlvorstand.  Die  Statuten  sämtlicher  6  Wahlvereine  sind  dem  Königlichen
Polizei-Präsidium  eingereicht;  die  Mitglieder  des  Vereins  werden  regelmäßig
nach  den  Vorschriften  des  Vereinsgesetzes  mitgeteilt.  Der  Vorstand  besteht
aus  Vorsitzenden,  Schriftführern,  Kassierern  und  Beisitzern.  Er  wird  in  öffentlicher ­
  Versammlung  gewählt.  Zur  Kontrolle  der  Kaffenführung  werden  Revisoren ­
  öffentlich  gewählt.  Die  Geschäfte  des  Vorstandes  sind  in  den  Statuten
genau  angegeben.  Jedes  Mitglied  des  Wahlvereins  erhält  ein  Mitgliedsbuch,
in  welchem  durch  Einkleben  einer  Marke  über  den  monatlichen  Beitrag  von
20  Pfennigen  quittiert  wird.  Die  Beiträge  werden  an  bestimmten  Zahlstellen
des  Wahlkreises  entgegengenommen  und  an  den  Kassierer  des  Kreises  abgeführt. ­
  Den  Vorsitz  in  den  Vorstands-  und  Vereinsversammlungen  führt  der
Vorsitzende.  Zur  besseren  Durchführung  der  Agitation  und  zur  Erleichterung
der  Vereinsarbeit  sind  in  den  meisten  Wahlkreisen,  namentlich  den  größeren
(2.,  4.,  6.)  Unterabteilungen  gebildet.  Es  zerfallen  die  Kreise  in  sogenannte
Viertel  und  diese  wiederum  in  Bezirke,  denen  die  Abteilungs-  (oder  Viertels-)
und  Bezirksführer  vorstehen.  Vgl.  den  Organisationsentwurf,  Bd.  l.  Bl.  124.
Neben  dieser  öffentlichen  Organisation  besteht  noch  eine  sogenannte
innere  Organisation,  welche  vor  dem  Königlichen  Polizei-Präsidium  geheim
            
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