Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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Gegenstand  der  Beratung: ­
  Am  15.  Oktober  1895
soll  eine  Versammlung  abgehalten ­
  werden,  in  welcher
die  Stadtverordneten  berichten ­
  sollen.
Lat  stattgefunden:
Koppensir.  29.
Es  soll  ein  Flugblatt
über  die  Kommunalwahlen
verbreitet  werden.
Ist  am  13.  Oktober  1895
verbreitet.
*
In  dem  Spezialband
„Vertrauenspersonen"  ist
eine  Anzahl  Ausschnitte
aus  dem  „Vorwärts"  zusammengestellt, ­
  in  denen
„die  Vertrauenspersonen"
zu  öffentlichen  Versammlungen^ ­
  der  6  Wahlkreise
mit  derselben  Tagesordnung
und  zu  derselben  Zeit  in
verschiedenen  Lokalen  auffordern. ­
  Diese  Inserate
können  nur  nach  vorheriger
Verabredung  erlassen  sein.
Von  besonderer  Wichtigkeit ­
  ist  die  Depesche,
welche  „die  sozialdemokratischen ­
  Vertrauensmänner
Berlins"  am  2.  Septeinber
1895  an  die  französischen  Sozialdemokraten  in  Paris  gerichtet  haben,  in  welcher
sie  den  französischen  Genossen  als  Protest  gegen  Krieg  und  Chauvinismus  Gruß
und  Landschlag  senden.  Es  ist  charakteristisch,  daß  diese  Depesche  von  den  Vertrauenspersonen ­
  ausgegangen  ist.  Sie  beweist  einerseits  die  Bedeutung,  welche
man  den  Vertrauensmännern  beilegen  mutz,  andererseits  die  enge  Zusammengehörigkeit ­
  derselben  untereinander.
Rach  vorstehendem  Sachverhalt  sind  die  Vertrauenspersonen  als  sehr
wichtige  Glieder  der  inneren  Organisation  der  Wahlvereine  aufzufassen,  welche
unter  sich  einen  besonderen  Verein  bilden  und  unter  einer  Leitung  zu  gemeinsamen ­
  bestimmten  Zwecken  in  Versammlungen  sich  verbinden.  Dieser  Verein
umfaßt  die  Vertrauenspersonen  sämtlicher  6  Berliner  Wahlkreise;  die  Leitung
wechselt  in  den  jedesmaligen  Versammlungen.

lLeit  längerer  Zeit  hat  sich  unter  den  Berliner  tAenossen  das
'Bedürfniß  fühlbar  gemacht,  das  Parteileben  kräftiger  zu  gestalten.
Man  ist  zu  der  Ueberzeugung  gekommen,  daß  die  gegenwärtig
in  der  Reichshauptstadt  vorhandenen  Parteiorganisationen  ihrem
Zweck  nicht  genügen  .  können.  Bekanntlich  bestehe»»  nebeneinander, ­
  völlig  getrennt,  zweierlei  Organisationen  in  ganz  Deutschtand.
  Die  eine.  das  Berlrauensmännersystem.  beruht  auf  dem
Örganisatiollsstatut  der  Partei.  Es  wird  bedingt  dadurch,  daß
die  Vereinsgesetze  der  verschiedenen  deutschen  Staaten  dem  Verkehr ­
  von  Vereinen  untereinander  mancherlei  Beschränkungen  anserlegen, ­
  oder  ihn.  »vie  in  Preußen,  ganz  verbieten.  Der  Vorstand
der.Partei  kann  nach  der  in  Preußen  gegenwärtig  maßgebenden
Gesetzesauslegung  nicht  mit  Vereinen,  sondern  nur  mit  einzelnen ­
  Personen  in  Verbindung  treten.  Das  hat  zur
Einrichtung  des  Vertrauensmännersyslems  geführt.  In  jedem
Reichstags-Wahlkreise  »vcrden  nach  Abhaltung  der  Parteitage  in
öffentlicher  Volksversa»ninluug  ein  oder  mehrere  Vertraucns-»nänner
  gewählt,  die  mit  dein  Parteivorstand  in  ständiger  Korrespondenz ­
  stehen  und  im  Wahlkreise  zur  Erledigung  aller  Partei-Angelegenheiten
  (Wahlen  zu  Kongressen  n.  dgl.)  erforderlichen
Falls  öffentliche  Versammlungen  einzuberufen  haben.
Neben  diesen  Vertrauensmännern  und  ganz  unabhängig  von
ihnen  bestehen  nun  noch  überall  politische  Vereine,  in  Berlin
für  jeden  der  sechs  Wahlkreise  ein  Wahlverein.  Da  die  nnchliaerkN
  Partei-Angelegenheiten  alle  durch  die  Vertrauensmänner
ihre  Erledigung  fanden.  ionnten  bisher  die  Wahlvereino»  zu
keinem  rechten  Lehen  kommen  und  blieben  bedeutungslos  für  die
Entwickelung  der  Partei.  Das  hat  dazu  beigetragen.  daß  die
Parteigenossen  ihr  Bedürfniß  t'es  persönlichen  Zusammenschlüsse»
vielfach  durch  gesellige  Vereine  mancher  Art  zu  befriedigen
suchten  »nid  dadurch  wieder  vom  politischen  Leben  abgezogen

52  und  53.  Titelblatt  und  erste  Seite  der
Broschüre  über  die  Reorganisation  der  Sozialdemokratischen ­
  Wahlvereine  Berlins

Linsichtlich  der  einzelnen  Wahlkreise  ist  folgendes  zu  bemerken:
1.  Wahlkreis.
Den  Vorstand  des  Wahlvereins  bilden  die  Angeschuldigten  Pohlitz  (seit
etwa  2  Jahren)  als  Vorsitzender  und  Petermann  (seit  1890)  als  Kassierer.
In  den  beiden  Generalversammlungen  des  Wahlvereins  am  23.  Apru
und  23.  Oktober  1895  hat  Pohlitz  den  Vorsitz  geführt,  Petermann  den  Kapenbericht
  erstattet.  In  beiden  Versammlungen  ist  der  Beschluß  des  or»  ,
            
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