Wvcmöenbuvger JerLung.
»M«it fit G u> «tsthM-ck
Ruppiu, Tempil« r-ud angrenzende Kreise.
»«SS-* Organ für dir "3S{iS‘
Sarfe Interessen der arbeitenden Klassen LL.'L'tLLPL
uiKTj? s —- wk- .sH.
S:t Liefern^ durch den vri-ftri^c Für die Aedaktion »eronlwortlich: F. Ewald. Druck und Verlag: F. Ewald in vrandenbmg c. H. «.-kk-mezeile 25 Pf.
<*’« Hau«. frtcbflllion und Sxpedill-n: El. «nnenslraße SÄ. - Expedition in Ralhinow: H. Kaymllng, Sl. Baustraße >5.
itr. I. vounnstaa, den 1. Januar 1891. 5. Zahrg.
Des Ncujahrsiages wegen erscheint
die nächste Nummer dieser Zeitung am
Freitag Mend.
Abonnements Einladung.
Vom I. Januar ob erschein! die „Brandenburger
Heilung". sowie da« „Raihenowcr VollLblalt" unter dem
gemeinsamen Titel „Brandenburger Zeitung. Voll«blr.t>
kür Ost. und Wcsthivelland, Ruppln. Tcmplin und an
grenzende Kreise" in bedeutend vergrößertem Formal.
Unsere Zeitung will dem Volle ein gewlffeuhaster Führer
sei» in dem lobenden Kampse der PaNeien. Sie wird nur
da« eine Ziel in, Auge haben: mit alle» zu Gebote stehenden
gesetzliche» Mitteln dir Bcsrcimia der Arbeiter an« den
FZscln de« Kapiiallsmu» zu erwirken. Sie wird ein Hort
für nde Bedrängten, eine Waffe gegen olle Unlcrdrückcr
'seiiit sie wird stet» zu finden sein aus der Seite, die für
Wahrheit, Freiheit und Gerechtigkeit kämpft. Sie wird
außer belehrenden Leitartikeln eine umfangreiche Politische
Uebersicht, sowie Sozialpolitische« bringen: ebenso werden
wir ein spannende» Feuilleton au« der Feder eine« berühmten
Schriftsteller«, Lokale» und Vermischte» bringen, sodaß auch
die Frauen bedacht sein werden.
Wir eröffne» vom I. Januar ab ein neue» Abonneinenl
zuul Preise von 9)1. 1.75 vierreljährllch frei in'« Hnu«.
inonailich M. 0,60, durch die Post bezogen 9)1. 1,90, beim
Abholen an» unserer Expedition vierteljährlich M. 1,50 oder
monollich M. 0.50.
Unsere Zeitung dars in keinem Haushalt fehlen, darum
aus! tkue Jeder seine Schuldigkeit.
Die Redaktion und Expedition.
Wer'denkt an ihn noch, wer noch fragt:
Wa« niag di« Meinung Bitmarck'ä sein?
Und wär er auch vom An» gejagt,
Sein Wort'könnt' doch Bcwicht noch leih'n.
Roch ruht er nicht in seinem Grab, -
Doch Mehr tt» todt' ist .•« verschollen -
Wer gieb! mit ihn, sichjetzt noch ab,
Mag er nun grollen oder schmollen.
„Fn seine» Nicht« durchbohreudcm Gefühl'
Wie klein, wie Ileinlich er sich zeigt!
Kaum für den Spott ein würdig Ziel —
Man zuckt die Achseln und man schweigt.
Unb'bit Partei, die so verhaßte.
Die Jener z» vernichten glaubt'.
Die er mit Acht und Ban,r"umsaßie.
Wie hebt sie heut stolz ihr. Haupt'
Un« trägt nicht eure'Emzelwelle
Empor wie leichten Meereischaum.
Die jetzt im Glanz empor sich schwelle.
Und die im Nu verschlingt der Raum.
Wir ivuneln lies aus feilem Grunde.
Wir wachsen in dem ®hmu der Zeiten.
Und Well' aits Welle, Stund auf Slundi
Wird.machtlo» über un» hingleiten.
Wir sind die Men schwer», unvcrzag!
Führt un« ihr Geist pu n«uen Siegen -
Wer gegen sie zu kämplcn wag«.
Ob früh. ob spat, muß uniciliczen.
Mag tu dem Strom der Zellen' schwinden
Nun da« vergangene F»hr dahin.
Da« arnc wird bereit »n« finden
Zu neuem Kamps mit mulh'gem Wntl.
Unwiffensteil und Sklave! zu erhallen, sic politisch und
ökonomisch aurznbeulcn — nach dem Griindsatzc de« „Theile
und-herrsche!" die Klaffet! mit eiiianbrr zu verhetzen, io
würde sich Jeder entsetzt »o» ihnen adioenden oder vielmelti
sich berufen fühlen, solche» Feindest der Menschheit nnd der
Menschstchkcis gründlichst da« Handwerk zu lege». Allein
die „umwälzenden Elcnicnte" werfen einen Schafspelz über
Ihr Wolk»sell — sie- neunen sich Freunde der Ordnung,
Vertheidiger der Zivilisation »nd bezeichnen — mit dem
bekannte» Diebskniff — Diesctiigen al» „Umstürzler", welche
ihrem gemeingefährlichen Treiben entgegentreten.
- In Frankreich ist soeben von dein Hexenkel der „»m-
ivülzenden Elemente" der Deckel abgehoben loorde» und wir
sehen da« lichtscheue Gesindel „an der Arbeit" — wie
Bienen'in einem gläsernen, Gebän«.
Schatten wir hin! .
Frankreich hnt eine Regierung, welche non Ott Mehr-
hei, m französische» Volle» an die Splde de« Siaal» ge.
stell, worden ist - die legitimste - versaffung». und gesctz-
niäßigste Negierung, die 'ich denken läßt —, eine Negierung.
nelAe da« hohe Verdienst hat. dir ..umwälzenden TIemenIc
zwei Jahrzehnte lang in, Za»», gehalten und den inneren
und äußeren Frieden im« Jahrzehnte lang beivahr! zu
haben Allein da« gerade hat den Haß der „umwälzenden
Elemente" erreg,. Sie schloffen sich. «ratz gegenseitige!
Abneigung, scsi aneinander »nd bildeten eine Perschwärung.
zum Umsturz der Slank»ocd»»»g: sie suchten sich eine, in
allen Lastern crsahrenc, mit allen Hunden gchetzle „katili.
narische Eristenz" au», und gaben diesen, Verworfenen
Millionen über MiNIonen, aus daß er sein Amt in der
Regierung dazu mißbrauche, uN, die Veste der otaot«.
ocdnung ihren Feinden z» übersteseni, «Ine „blniigc Revo
lution" durchzusühren ' nd Frankreich in vie unsagbaren
Schreckniffe de» Büigerkriea» und elneaDclllricgkzu stürzen.
Eine schuftigere Verschwörung ist nie angezettelt, ein
scheußlichere» Attentat aus die Staat«, «nd GesellschaslSard.
nunfl nicmal« geplant worden.
Und die Verschwörer? Waren c« Sozialdemokraten?
Mit Nichten!
E« waren Legllimlsten. Orlcaniste», Bonnparllstr»,
Klerikale — Junker. Bourgrola »nd Pfaffen!
Da« ist da» saubere Kleeblatt. Kein Leugnen möglich :
die Boitloiiger.Eiilhüllungrii erlaube» nicht, den lcisestrn
Zweisei Die Verbrecher sind übcrsührt. aus frischer That
Und die »äiiiliche» „umwälzenden Elemente", die soeben
in Frankreich diese schmachvolle Rolle gespielt hoben, sind
auch in ollcu Übrigen Kulturländer» thätig.
Neulich laffeii wir in den Zeitungen, wie die Tessiner
Bourgevi» die Regierung ihre» Lande» umgestürzt haben —
und jeden Tag lesen wir in den Zeiltingen, wie unsere deut
sche Bourgeoisie gegen die Politik der kaiserlichen Erlaffc"
konspirirt und rebellin »nd durch ihre Habsucht »nd Eng-
Prosit Nklljohr!
Äii des Zahns Wendr.
Ein ?oh> ist »ine kurze Frist,
Eine Welle in dem Aber der Zen.
Di» nur zu bald verschlungen ist
Pom Ozean der Ewigkeit.
Wie viel doch birgt der kurze Raum.
Wo« faßle nicht ba« einz'ge Fahr'
Wa« zu Beginn man ahnic kaum.
Stellt heut' stch als vcrgauge» dar
Der „große" Mann, den zu Beginn
De» Fahre» nian noch so bewundert.
Und de» die Schmeichelei stelll' hin
Al« Herkule« seine» Fahrhunderl« -
Gegen die ninwälrende« Elemente
mit ollem Nachdnick vorzugehen, ist um so nothwendiger, al»
sie setzt eine wahrhast dämonische Rührlgleit einwickeln und
Himmel und Hölle (namentlich die letztere) ln Bewegung
setze», »in die Ziele ihre» geinetngesäbrlichcii Streben« und
Thun» zu erreichen. Die Gefahr, in welche die bürgerliche
Gesellschaft und die ganze Zivililalion durch diese „um
wälzenden Elcmenie" gebrachl wird, ist hauptsächlich deshalb
so groß. weil dieselben mit wahrhast lcuffischer Geschicklich
keit ihre wahre Natur verbergen und ifuxni abschreckend
häßlichen Antlitz eine gleißende Marie vorgehängt haben,
durch welche sich Leichtgläubige leichl belhören taffen
In. sagten diese Deniagogen und Anarchisten, >va» sie
»'ollen - iaglcn sic, daß ihr Dichten und Trachte,t daraus
gerichtet sei, die Maffe ihrer Mitmensche» in Abhängigkeit.
Dir Schlange im Paradies.
Roman In zwei Binden
von Nr. Leopold Ritter von Eacher-Masoch.
ä?I (Fortsetzung.)
E« war ziemlich dunkel ous der Bühne, al« sie au« der
Garderobe zurückkehrte. in einem dünnen Mäntelchen und mit
einem Schleier, der verschiedene kleine Riffe hatte, vor dem
hübschen, frischen Gesicht. Da» Halbllch, mochte Kami unter,
neymend.
.Werden Sie sich nicht erkälten, niein Fräulein?* begann
St zärtlich.
„0, nein, ich bin gar nicht verwöhnt."
„Aber Sie erlauben doch. daß Ich Ihnen einen Pelz zu
Füßen lege?"
„Gewiß, aber jetzt gehen wir sonpiren, ich bin hungrig."
Sie »ahm seinen Arm und geleitete ihn di: kleine, stille
Treppe hinab.
„Ich denke, wir essen zusammen ein Bralhnh» mit Compol."
logte sie.
„Und lriickeu eine Flasche Champagner."
Sie blickte ihn vergnüg! an. „Ich sehe, daß ich c« niii
einem Cavaiier zu thun habe."
Sergiu« -zeigte sich erst. al« Zenobia da« Theater verließ.
.Wo ist Nalalja f fragte er, „Ich habe sic nicht gesehen."
„Sie ist zu Hause gebliebru."
^Natürlich allein." mvlderle Zenobio „Derllebie lieben
die Einsamkeit, und Ich glaube, sic liebt Sic."
Sergiu» schwieg.
„Me unglücklich Sic aittschen!" spottete Zenobia, „kommen
Sii, ich will versuchen, Sie zu trösten." Sic nahm seine» Arm.
Man souvirle zusammen Im Hotel de l'Enropc und kehr!
dann im Schlitten zurück. Die Nach! war kalt. ober ruhig und
sternenklar.
Zcuobla subr mit Eerain«. Ex sah aber neben ihr wie ei»
Alaun au« Stein.
Am tolgende» Vormittag fand sich Karol mit einem großen
Vougnei in der Wohnung der Schauspieler!» ein.
»Wir wollen jetztj den Pelz kauscn," begann er schüchiern.
„Sie erlauben e» mi, doch? Ich babe aus dem Theaterzettel
gelehen," fuhr er etwa) kühne, kork. „Sie spielen heute nicht"
„Nein. ich bin frei"
Durste ich e« wagen, wenn Eie nicht» Andere« vorhaben
ich bitte Sie. meine Einladung nicht ungnädig aufzunehmen."
„Wozu so viele Worte.'
'Wenn e« Ihnen Vergnügen macht"
»Natürlich Ich freue mich daraus."
Fräulein Jaru»kow«ka vollendete ihre Toilette »nd ging
dann Arm in Aim mit dem stiahlcnden Karol In die Stadt.
Ei führte sic zueis« zu einem jttdische» Kürschner, wo sie ein-»
Pel, von schwarzem Sammt mit gilt« wählte und gleich anbc-
hielt, dann zu einer dinrel.naan ck« blocke«, bei der er ihr'einen
goldgestickten Baschttl verehrte, und schließlich zum Zuckerbäcker.
Hier bewirthete er sic mit FIcischpastrIchen »nd Liqucur. Dann
ginge» sic in bester Stimmung i» das Cinicbrhau«. in dein seine
Dlerde stauben, und Koiol befahl, einzuspannen.
C« währte nicht zehn Minuten, suhr der, Schlitten vor,
Karol hob Fräulein Jar»»k°w«ka hinein, hüllte sic lorgsani In
die warmen Felle und saß ,etzt an Ihre, Seile mit" der Miene
»ine« siegreichen Feldherrn, der In da« jubelnde Rom einzieht
Die Heine Schauipiclrrin drückte seinen ?lrn, I» aufrichtiger
Glückseligkeit, de. Tag war so schön, die Sonne leuchtete so
srcundltch, der Schnee siimmcite wie ein M-e- von kleinen Dia-
Manien, und sic da»- sich sei, langer Zeit wieder einmal sät,
gegeisin »nd konnte sich zum ersten Male in ihrem Leben in
einen warmen Pelz schmiegen. Da« »Ne« war so hübsch
Sie sah Karol von der Seite an, dann ergriff sic plötzlich
die Zügel und sang mit lavier, scöhlicher Stimme da« Lwd von
der Tcojka')
32. Allein za Hanse.
„Tie Heimalh. da« gute Daterhaii«
ist preisgegeben »nd verloren."
Bdoibm Slister.
Indeß war Nalolia in dem großen, stillen Hause allein.
Sie freute sich.der Einsamkeit, ste konnte endlich ivicdcr einnwl
beim Fenster sitzen, träume», ihre» Gedanken nachhänge,,. Er
toaren keine srühlichcn Bilder, die bei Ihr einkehrten. Sic halte
') Da» Dretg'ipami -- lussifcheo Bollälstd.
stch In den Stithl zurückgelehnt und ihre Hände in den Schoost
gefaltet. Aus ihrem schönen Antlitz lag eine teile Trauer, eine
schmerzliche Hoffnungkloflgle!!. Ihr sestgeschloffener Mund trotzte
noch. aber die großen, blauen Auge» schwömme» in einem sanften,
elegischen Lichte. Draußen lag der Schnee, er bedeckte Erde und
Dächer. Bäume und Büsche mit seinem richlgen weißeii Glanz
An den Scheiben blühten die Wunderblumen de» Winter«. Der
Wind strich über Hügel und Fläche, eine große, selerl-chc Melodie
zog aus feinen Schwingen einher, der ferne Elchcni^ld brauste
mächtig ">il seinen cuttaubicu Riesenkroncn. d,c Bäume de»
Garten« stimmten ml, ein. und die Nclnen Sträucher erklangen.
»I« wären sic ml, gausend »ledlsche» Schellen behängen.
Oben sang die Wetterfahne, und im halbdunklen Semach«
gab der alte. grüne Kachelofen verdrießliche Antwort. ,
Zwei irrende Lichter zeiglcn sich hinlrr der Scheuer, die
Augen eine« Wolsc«. der den Edelhos umschlich und wieder ver
schwand. al« die riesigen Hunde wüthend zu bellen begannen.
Im gauzen Hanse herrschte jetzt wieder Duiiliiheil und
Stille. Keine Lampe brannte, kein Licht, nur da« Feuer im
Ojen. Man Höne lange nicht« al» da« Tick-Tack der massiven
Siockuhr, da« heute ebenso gravitätisch zu hören war. al» zur
Zc!,. wo hier bezopste Herren und Damen mit gepudertem Haar
ein- und auLaingen. ,, ,, .
An solchen langen, stillen Wiiilerabende» ist e«. «•»
draußen Alle» todt wäre »nb innerhalb der grauen Mauern w »
Todte beseelt und gesprächig würde. CE« ist dann unhetmtni.
in die dunkle Flucht der Zimmer hineinzublicken »nd> og«r W
Wchste und «oblbekannlcste wird un» für Augenblicke,rcm°
und säst schauerlich. Alle Gegenstände, die un« >'"'3$™' "
scheinen größer und in die Ferne gerückt, so daß sich
in Säle. Säle In düstere Dame verwandeln. Alt«^Zeilen werden
lebendig, die Geister der B-bst-rb-t:en scheinen !le.se *«.«■»
zu wandeln, flüsternd« Stimmen sind in der Lust. un
diiicklcn Winkeln lchclnc» ?lngen aus «y« gerichted . ^
Nalalja erlchauer.e leise, aber Ux\Irfl"#;, *“« '
der alten Uhr sprach ibrMnth i*. #•»» ^,>5
»nd mit dem letzten Schlag zog l->cht und >r, herüber:
hübsche Melodie Weber« durch dw off-»-T>M" ^öbet
„Einsam bin lck, nicht allein^. Dann deg - (<[ne heKe.
zu krachen, und da« Hc.mchin erhob im vemauc. ,
79. Titelseite der Brandenburger Zeitung