1890 ist der Ort noch
vorwiegend Dorf, es
werden in ihm im ganzen
nur 775 Stimmen abgegeben.
Bauern und Arbeiter,
darunter viele in Berlin
beschäftigte Bauarbeiter,
teilen sich darin, die Konservativen
erhalten 356,
die Sozialdemokraten 367
Stimmen, nur 52 Stimmen
entfallen auf die Freisinnigen.
Zunächst wird
nun Wilmersdorf immer
mehr Arbeitervorort,
1893 sind die Sozialdemokraten
stärker als die andern
Parteien zusammengenommen,
sie haben von 367
auf 621 zugenommen, die
Konservativen mit den
Antisemiten zusammen nur
von 356 auf 480, die Freisinnigen
gar nur von 52
auf 81. Nun setzt aber
die Bebauung der den
eleganten Quartieren Charlottenburgs
und Schönebergs
benachbarten Baustellen
ein, in rascherer
Proportion als die Arbeiterschaft
wächst die bürgerlicheBevölkerung,und die Sozialdemokratie wird
bei den Wahlen wieder überstimmt. 1907 haben die Sozialdemokraten 4730, die
Konservativen 4392, die Freisinnigen 3138 Stimmen, 158 Stimmen zersplittern
sich. Natürlich ist die Bewegung der Stimmenstärke der Parteien nicht ausschließlich
auf die Klassengliederung der Bevölkerung zurückzuführen. So war
bei den Wahlen von 1903 die Stoßkraft der Sozialdemokratie ungewöhnlich
stark. Im Kampf wider den Zolltarif von 1902, der auch bürgerliche
Interessen schwer traf, hatte sie die größte Energie bewiesen, sie hatte die
schärffte Sprache wider den Agrarwucher gefunden, es lag daher vielen,
die sich benachteiligt sahen, nahe, der Partei der entschiedensten Opposition
die Stimme zu geben. Die Wahlen der Jahreswende 1906/07 vollziehen
sich unter verzweifelten Kraftansttengungen der bürgerlichen Parteien, die
sozialdemokratische Lochflut einzudämmen. Bülow hat seine Paarungsrede
gehalten, Dernburg eine hoffnungsreiche Zukunft der deutschen Kolonien
ausgemalt, die Parole „Befreiung von der Zentrumsherrschaft" das
protestantische Empfinden aufgestachelt und so gelingt es, Bürger und Kleinbürger,
die sich sonst nicht um die Wahlen zu kümmern pflegen, in Massen
an die Wahlurnen heranzubringen. Zum Zuwachs der Klassen durch
Liibbenerstrasse 9, bei Rate].
Die Mahlzeit ist von 10 Uhr früh bis 7 Uhr
abends. Rach 7 Uhr dürfen keine Stimmzettel
mehr abgegeben werden. Deshalb gehen Sir möglichst
s-sort zur Wahl.
Bas sozialdemokratische WahlMiee.
Die auf das Kuvert geschriebene Zah! ist die Wähler-Nummer,
die dem Wahlvorsteher bei Abgabe des Stimmzettels
zwecks Erleichterung des Nachschlagenß anzugeben ist.
97. Mahnung an die säumigen Wähler