die erst nachträglich vorgenommene Auslosung der Bezirke das Resultat
gehabt hatte, daß die Bezirke, in denen sie gewählt waren, durch „Ansässige"
vertreten sein mußten. In der Nachwahl gelang es jedoch der Sozial
demokratie, in dem Schlossermeister Karl Schulze und dem Putzer Lahn
Kandidaten aufzustellen, die zu den Ansässigen gehörten, und die Mandate
für sie zurückzuerobern. Bei den Ergänzungswahlen von 1894 wurden
zwei weitere Kandidaten der Partei, Zimmermeister Rob. Lesse und
Gastwirt Aug. P apke, und bei den Wahlen von 1895 an Stelle von Müller,
Schenk, Schröder und Schulze, die wegen Zustimmung zu Ausgaben für
nationalistische Zwecke ihre Mandate auf Versammlungsbeschluß hatten
niederlegen müssen, die Parteimitglieder Kull, Schristgießer, Oster-
mann, Tischler, Retzerau, Maler, und Thomas, Schriftsetzer, gewähtt.
1898 wurde Rixdorf Stadtkreis und seine Vertretung in der Gemeinde
versammlung auf 48 Mitglieder erhöht. Bei der ersten Wahl zum neuen
Kollegium ward die dritte Klasse wiederum ausschließlich durch Kandidaten
der Sozialdemokratie besetzt, die nun eine Fraktion von 16 Mitgliedern
bildeten, und jede weitere Wahl bestätigte nur dies Verhältnis. Die ersten
sozialdemokratischen Gemeindevertreter des Stadt gewordenen Rixdorf
waren: Wilh. Conrad, Kassenbeamter, Aug. Dohrmann, Tischler,
L. Lerrmann, Zigarrenmacher, Wilh. Jäger, Klempner, Konst. Janis-
zewsky, Buchdruckereibesitzer, Karl Keller, Dachdeckermeister, Wilh.
Köpke, Gastwirt, Paul Mitschke, Steinmetz, Wilh. Münzer, Stein
metz, Gust. Ostermann, Spediteur, Rich. Preßler, Gastwirt, Emil
Retzerau, Maler, Wilh. Sy, Tischler, Dr. R. Silberstein, Arzt,
Willy Wach, Berichterstatter, und Emil Wutzky, Schriftsetzer.
Linsichtlich der Zahl der sozialdemokratischen Vertretung in der Ge
meinde schließt sich Berlins größte Nachbarstadt, Charlottenburg, an
Rixdorf an. Mit den Ergänzungswahlen des Jahres 1905 wuchs die
sozialdemokratische Fraktion dort auf 13 Mitglieder. Das Verhältnis
dieser zur Gesamtvertretung war aber wesentlich ungünstiger, als in Rixdorf.
Denn in Charlottenburg hat die dritte Klasse 24 Stadtverordnete, so daß
die genannte Zahl der sozialdemokratischen Mitglieder nur einen über die
Lälfie der Vertretung der dritten Klasse ausmacht. And auf wesentlich
mehr ist in dieser Stadt, die sich rühmen kann, das zahlungsfähigste
Gemeinwesen der preußischen Monarchie zu sein, beim jetzigen Wahlsystem
kaum zu rechnen, da in verschiedenen Stadtbezirken die Arbeiter selbst in
der dritten Klasse die Minderheit der Wähler sind. Gewerbetreibende,
Beamte, Angehörige der fteien Berufe bleiben mit einer Steuerleistung,
die sie anderwärts zu Wählern erster oder mindestens zweiter Klasse machte,
hier Wähler der dritten Klasse. Selbst bei der Reichstagswahl konnte es
die Sozialdemokratie in Charlottenburg noch nicht zu einer Stimmenmehrheit
bringen. Anter diesen Amständen war die Eroberung von 13 Mandaten
der dritten Klasse, die im ganzen 24 Stadtverordnete zu wählen hat, schon
eine sehr bemerkenswerte Leistung. Die Entwicklung der sozialdemokratischen
Stadtverttetung in Charlottenburg war die folgende:
Die Wahl des Jahres 1893 brachte die ersten Sozialdemokraten ins
Charlottenburger Rathaus, Gustav Beyer und Lerm. Wernicke, die bis
1899 ihr Mandat ausübten, dann aber nicht wieder kandidierten und durch
Kurt Baake und Paul Lirsch ersetzt wurden. Einige Wahlerfolge des