Full text: Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

druck im nächsten Jahre noch andauerte, bringt dieses — 1902 — schon 
einen neuen Aufschwung von über 15 Proz. Das zeigt, welche innere 
Festigkeit die Bewegung mittlerweile gewonnen hatte. Nach überwundener 
Geschäftsstockung erfolgt dann der fast beispiellose Aufschwung, der in drei 
Jahren die Mitgliederzahl gegenüber 1902 mehr als verdoppelt. 
Den Entwicklungsgang der Gewerkschaften Berlins, Organisation für 
Organisation, mit Bezug auf Kampf und Ausbau im Einzelnen zu ver 
folgen, überschreitet die Aufgabe dieses Buches. Es wird das von anderer 
Seite in die Land genommen werden und jedenfalls ein stattliches Werk 
abgeben. Ans sollen in besonderen Kapiteln einige wenige jener gewerk 
schaftlichen Kämpfe Berlins beschäftigen, die über den Nahmen des gerade 
betroffenen Gewerbes hinaus die Geister stärker in Anspruch nahmen. 
Anter einem Gesichtspunkt jedoch haben auch die einzelnen Organisa 
tionen hier auf Erwähnung Anspruch. Es betrifft das ihre Entwicklung 
in bezug auf die Ziffern ihrer Mitglieder in der Zeit von 1894, dem Jahr 
des ersten umfassenden Berichts der Gewerkschaftskommission, bis zum Endjahr 
unserer Periode. Es ist diese Gegenüberstellung keine ganz einfache Sache, 
da in der Zwischenzeit sich mancherlei Veränderungen in den Organisationen 
vollzogen haben. Die bedeutsamen technischen Amwälzungen in der Industrie 
konnten das Verhältnis der einzelnen Industriebranchen zueinander nicht 
unberührt lassen. Führten sie in einem Fall zu Verschmelzungen, so im 
andern zu Differenzierungen, es entstehen Berufe mit ganz neuen Be 
nennungen. Auch haben die Grundsätze, nach denen die Statistik der Ge 
werkschaftskommission angefertigt wird, im Laufe der Zeit wesentliche 
Änderungen erfahren. Zu Anfang wird der Hauptwerk auf Vollständigkeit 
in der Aufzählung der bestehenden Vereine gelegt und werden auch eine 
Anzahl Vereine erwähnt, die der Gewerkschaftskommission nicht angehören. 
Später aber verzeichnen die Berichte nur die der Gewerkschaftskommission 
angeschlossenen Organisationen und gehen dafür von 1902 ab um so genauer 
auf deren Verwaltung in Einnahmen und Ausgaben ein. Am letzteres 
gleich vorweg zu nehmen, so zeigen uns die Totalsummen von Einnahmen 
und Ausgaben in den vier Jahren von 1902 bis 1905 folgendes Bild: 
Gesamt-Einnahme Gesamt-Ausgabe 
der in der Gewerkschaftskommission vertretenen Berliner Gewerkschaften 
1902 2 447 163 Mark 1902 2345956 Mark 
1903 3 328 603 „ 1903 3 288 278 „ 
1904 4 852 225 „ 1904 4 879456 
1905 6 548 788 „ 1905 5 998 079 
In dieser Zeit war die Zahl der Mitglieder von 108 729 auf 224 279 
oder um 106 Proz. gestiegen, die Steigerung der Einnahmen aber macht 
168 Proz. aus. Dies läßt erkennen, daß in diesen wenigen Jahren eine 
wesentliche Erhöhung der Beiträge vor sich gegangen ist. 1902 kommt eine 
Iahresleisttrng von21'/gMk. auf das Mitglied, 1905 eine solche von über 
29 Mk. Auch dies bezeugt die zunehmende Festigkeit der Bewegung. 
In bezug auf die Organisation der einzelnen Gewerbe hat der in 
seiner Art sehr sorgfältig ausgearbeitete Bericht von 1894 eine Einteilung 
der Gewerbe in acht große Gruppen verwandter Industrien vorgenommen.
	        
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