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tungsvolle Kämpfe, welche zu ihrer Zeit die Arbeiterschaft Berlins in leb 
hafteste Erregung versetzten, herauszugreifen und an ihrem Beispiel in mög 
lichster Anmittclbarkeit ein Bild zu entwickeln vom Spiel der Leidenschaften 
und Interessen, von der Entfaltung der charakteristischen Eigenschaften der 
Führer und der Massen, vom Widerstreit der Arteile, vom Auftauchen 
neuer Konstellationen und Probleme inmitten des Kampfes, wie sich das in 
Abstufungen bei allen größeren Wirtschaftskämpfender Arbeiterschaft wieder 
holt. Die gewählten Beispiele sind der große Bicrboykott des Jahres 1894 
und der große Streik in der Konfektionsschneiderei Berlins vom Jahre 1896. 
Da aber der Bierboykott den Rahmen eines Gewerkschaftskampfes 
durchbrach und zum Kampf gegen einen Bund der großen Brauereien der 
Lauptstadt wurde, den die Gesamtarbeiterschaft Berlins unter der gemein 
samen Leitung der politischen und der Gewerkschaftsführer ausfocht, ist ihm 
ein besonderes Kapitel gewidmet. Anders der Streik in der Konfektions 
schneiderei. So sehr ihm die Allgemeinheit der Arbeiter Berlins ihr In 
teresse schenkte, so behält er doch durchweg in allen wesentlichen Punkten 
seinen gewerkschaftlichen Charakter. Allerdings spielt auch er sich nicht in 
der Weise ab, daß die Streitenden auf die rein gewerkschaftlichen Kampf 
mittel beschränk bleiben. Aber das beeinträchtigt seinen gewerkschaftlichen 
Charakter nicht. Allen bedeutenden Gewerkschaftskämpfen der Gegenwart 
ist die Tendenz eigen, wegen der Größe der von ihnen erfaßten Bevölkerungs 
schicht oder der Rückwirkung auf das Geschäftsleben im allgemeinen zu 
einer Angelegenheit der Öffentlichkeit zu werden und deren Eingreifen in der 
Gestalt von Vcrmittelungsversuchen irgendwelcher Art wachzurufen. 
* * 
-i- 
1. Der Kampf von 1896 gegen die Schwiharbeit in der 
Konfektionsschneiderei. 
Eine der Lauptindustrien Berlins ist die Bekleidungsindustrie, und 
zwar ist es die Schneiderei, die hier im Laufe der Zeit einen das örtliche 
Bedürfnis nach ihren Produkten weit überschreitenden Aufschwung ge 
nommen hat. Mit andern Worten, die Konfektionsschnciderei, die Ler- 
stellung fertiger Artikel für den offenen Markt, hat sich hier außerordentlich 
stark eingebürgert. Aus verhältnismäßig bescheidenen Anfängen hatte sie 
sich in Berlin im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts zu einer Stapel 
industrie ersten Ranges entwickelt. Berlin versorgte die Provinz, das 
außcrpreußische Deutschland und auch das Ausland in steigendem Amfange 
mit Erzeugnissen seiner Konfektion in Kleidungsstücken aller Art; namentlich 
seine Damenmäntel-Konfektion spielte auf einer Reihe von Auslands 
märkten eine große Rolle. Ende 1895 zählte man hier 439 Großhandels 
geschäfte der Bekleidungsindustrie, wovon 131 auf die Damenmäntelkonfektion 
kamen. Neben Berlin hatten in Deutschland Äamburg, Stettin, Breslau, 
Erfurt und einige Mittelstädte sich zu Zentren der Kleiderkonsektion entwickelt. 
Die Produktion in der Konfettionsschneiderei ging nur zum geringsten 
Teil in großen Werkstätten vor sich. In den meisten Fällen gaben die 
Fabrikanten die Arbeit zur Besorgung außerhalb ihrer Geschäftsräume 
sott, zum Teil direkt an Leimarbeiter, zum Teil an Zwischenunternehmer 
verschiedenster Art. Neben gelernten Schneidern übten auch Angehörige
	        
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