An die Zimmerer Berlins
und Umgegend!
"SEH«?
Werthe Kameraden!
Abermals sind wir gezwungen, ein ernstes Worl mil Euch zu reden. Ihr Alle wißt, daß der
Branerciring Hunderte neu unschuldigen Arbeitern miss Pflaster geworfen hat. Ihr wißt ferner die Ursachen,
durch welche dieser Kampf entstanden ist, Ihr kennt, auch die Beschlüsse der Berliner Arbeiterschaft, die durch
das brutal- Vorgehen der Brauereiprotzen nothwendig wurden, sollten nicht die unschuldig brotlos gemachten
Brauereiarbeiter gezwungen sein um Gnade zu betteln.
Darum frage sich nun ei» Jeder: „hast Du die Beschlüsse der Berliner Arbeiterschaft, in deren
Kette auch Du ein Glied bildest, richtig gehalten?" „hast Du, seitdem der Boykott über die Brauereien verhängt
wurde, auch denselben streng durchgeführt?" Ein- groß- Anzahl der Zimmerer wird dies nüt „Nein" beantworten
müssen.
? ArbeiiSgenossen! Ungeheure Borwürfe haben die letzten 37 Volksversammlungen den Bauarbeitern,
also auch den Zimmerern gemacht. Wollt Ihr nun diese Vorwürfe so ruhig hinnehmen? Wollt Ihr noch
länger theilnahnislos diesem Kassenkampfe zusehen, und die Stellung aufgeben, die Ihr bisher in der Arbeiterbewegung
eingenommen habt? Bedenkt, daß das Vergehn jedes Einzelnen eine Schmach für die Gesammtheit
der Zimmerer Berlins ist, und können die Mittel, die heute von der Kapitalistenbrut gegen die Brauereiarbeiter
und deren Organisation angewandt werden, auch nicht einmal gegen Euch zur Geltung kommen?
Schon heute seid Ihr der Launenhaftigkeit Eurer Ausbeuter unterworfen, wagt Ihr nur die geringste
und doch so berechtigte Widerrede, so fliegt Ihr hinaus, aufs Pflaster. Keiner kümmert fich darum, wo
Ihr Brot für Eure Familien hernehmt. Sollte es deshalb wohl möglich fein, daß Ihr dem jetzt tobenden
Kampfe fo wenig Beachtung schenkt? Da doch der Feind Eurer auSgesverrten Genossen auch Euer Feind
ist. Geloben wir uns deshalb heute von Neuem, de» Boykott streng durchzuführen:
Keiner betrete die Schwelle eines Wirthes, welcher
Ringbier schäntt. Keiner trinke Bier auf Bauten und
Plätzen von boykottirten Brauereien.
Bei Richtefesten, und anderen derartigen Anlässen, dars Keiner auch nur einen Tropfen
Ningbicr trinken, hier sei Jeder aus dem Posten, hier sei einer des andern Kontrolleur, dann wird auch
die Macht des Brauereirings gebrochen und den Arbeiter» zu ihrem Rechte verholfen werden.
Es ist nicht schwer Kamraden dieses streng iinie zu halten, uns zwingt Keiner und kann Keiner
zwingen gegen dis Beschlüsse der Arbeiterschaft zu handeln. Darum Hand aufs Herz. Zeigt, daß Ihr wollt.
VE" Hoch die Solidarität! "HW
Ter Vertrauensmann.
Redaktion und Verlag: Theodor Fischer, Berlin N., Dunterstr. 4. — Druck: M. Schrrnner, Brunnenltr. ttlt.
163. Mahnung zur strikteren Durchführung des Boykotts