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Wiedereinstellung der Ausgesperrten Abstand zu nehmen", wurde mit
großer Mehrheit angenommen.
Auf Grund dieser Weisung sollten die Kommissionsdelegierten bei der
nächsten Zusammenkunft mit den Unternehmern verhandeln. Oder vielmehr
nicht verhandeln, denn daß der Brauerring auf die so gestellten Forderungen
nicht eingehen würde, stand von vornherein fest. In der Tat waren die
Brauherren nicht weniger verbissen als ihre ausgesperrten Arbeiter und
machten ihrerseits deren Fehler wett. Als die Bevollmächtigten der
streitenden Parteien am 13. Oktober zur Fortsetzung der Verhandlungen
wieder zusammentraten, eröffneten die Vertreter des Ringes den Delegierten
der Arbeiter, daß von den Ausgesperrten, die noch keine Arbeit gefunden
halten, 33 auf einer Liste namhaft gemachte Arbeiter und von denen, die
einstweilen anderweitig Beschäftigung angenommen hatten, noch 5 bis 6
in den Ningbrauereien überhaupt nicht wieder Arbeit finden sollten. Das
machte den Arbeitervertretern die Antwort leicht. Singer und nach ihm
Auer erklärten ohne weiteres, daß sie unter keinen Amständen diese Proskriptionsliste
gutheißen würden. Was ihnen damit zugemutet werde, sagte
Singer, sei „kein ehrlicher, sondern ein ehrloser Friede", und Auer erklärte,
er würde es als Verletzung seiner Ehre betrachten, im Namen der Arbeiter
Vorschläge dieser Art in Betracht zu ziehen. Noch während er sprach,
füllte sich das Beratungszimmer mit ausgesperrten Brauereiarbeitern, die
um jeden Preis den Verhandlungen beiwohnen wollten. Das gab dem
Brauereidirektor Goldschmidt Anlaß, in Anknüpfung an die Bemerkung
Singers, er für seine Person wünsche, daß die Verhandlungen nunmehr
abgebrochen würden, dasselbe von seiner Seite zu erklären. So ging man
unverrichteter Sache auseinander.
Aufs neue waren damit Flugblattverbreitung, Masienversammlungen
und sonstige Agitation für den Boykott an der Tagesordnung. Es ward
nichts unterlassen, den Mut der Kämpfenden zu beleben. Als die Jahresabschlüsse
der Ringbrauereien Rückgang der Dividenden zeigten; als Anfang
November ein in Dresden geführter Boykott gegen die dortige, mit dem
Schultheißunlernehmen verbundene Waldschlößchenbrauerei einen günstigen
Abschluß fand; als Mitte November bekannt wurde, daß die Saalbesitzer
von neuem an den Brauerring mit der Bitte um Beendigung des
Kampfes herangetreten waren, da ward aus alledem das Beste für die erfolgreiche
Durchführung des Boykotts herausgelesen. Aber die Opfer,
welche die Arbeiterschaft zu tragen hatte, wurden darum nicht geringer.
Immer mehr Gewerkschaften sahen sich in ihrer Aktionskraft gelähmt, schon
war es vorgekommen, daß für Zusammenkünfte keine passenden Lokale hatten
beschafft werden können, und am politischen Horizont war als Erbe des
preußischen Ministers Eulenburg die Amsturzvorlage vom Spätherbst 1894
aufgetaucht, für deren Bekämpfung die sozialistische Bewegung die Konzentrierung
aller Kräfte und die Befreiung aus den Fesseln der Saalsperre
dringend brauchte.
Da trat ein neuer Vermittler auf den Plan in der Person des
Magistratsassessors Dr. Freund, der als Vorsitzender der Invaliditätsund
Altersversicherungsanstalt Berlin und des Zentralvereins für Arbeitsnachweis
oft mit Vertretern der organisierten Arbeiter zu tun hatte und
damals auch sich einer gewissen Beliebtheit bei ihnen erfreute. Freund