Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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Hauptsache  hatte  sic  die  Macht-  und  Willensprobe  selbst  abzulegen,  und
sie  hat  sie  mit  Ehren  bestanden.  Sie  hat  die  Gegner  genötigt,  ihr  einen
Frieden  anzubieten,  der  ein  Salutieren  vor  dieser  Macht  bedeutete.  Denn
was  auch  das  Geschick  eines  geschulten  Sozialpolitikers  und  die  kluge
Diplomatie  eines  weitblickenden  Unternehmers  zu  dem  Friedensschluß  vom
23.  Dezember  1894  beigetragen  hatten,  sie  hätten  der  Mehrheit  der
Ringbrauer  nicht  die  Zustimmung  zu  ihm  abgerungen,  wenn  diesen  nicht
die  Willenskraft  und  die  wirtschaftliche  Bedeutung  der  Arbeiterklasse  in  so
nachdrücklicher  Weise  fühlbar  gemacht  worden  wäre.
Es  liegt  im  Wesen  der  wirtschaftlichen  Kämpfe  unserer  Zeit,  daß  sie,
was  sonst  ein  Widerspruch  wäre,  eine  Stärkung  beider  kriegführenden  Mächte
zum  Resultat  haben  können.  Auch  die  Brauereien  gingen  stärker  aus  dem
Kampf  hervor,  als  sie  in  ihn  eingetreten  waren.  Eine  anfangs  noch  ziemlich ­
  lose  Verbindung  hatte  nun  erst  wirklich  sich  als  fester  „Ring"  betätigt.
Für  die  ihm  angehörenden  Brauereien  war  die  Zeit  dahin,  wo  man  sie
einzeln  vornehmen  und  ihnen  die  Bedingungen  diktieren  konnte.  Zunächst
waren  im  Gegenteil  die  Organisationen  der  Brauereiarbeiter  die  Schwächeren.
Die  Zahl  der  organisierten  Brauer  war  von  etwa  1000  auf  450,  die  der
Brauereihilfsarbeiter  von  700  auf  320  gesunken.  Mit  den  Berufsorganisationen ­
  der  Arbeiter  allein,  die  obendrein  unter  sich  noch  gespalten
waren,  wäre  der  Brauereiring  spielend  fertig  geworden.  Die  Zugeständnisse,
die  er  ihnen  machte,  waren  von  der  Gesamtarbeiterschaft  Berlins  für  sie
errungen  worden.  Das  sahen  die  Verständigen  unter  ihnen  schließlich  ein
und  ließen  es  sich  nun  angelegen  sein,  das  Errungene  nutzbar  zu  machen.
Die  nächsten  Jahre  sahen  wohl  noch  Einzelkämpfe  mit  verschiedenen  der
ringfreien  Brauereien,  Streitigkeiten  mit  Brauereien  aber,  die  dem  Ring
angehörten,  wurden  von  Organisation  zu  Organisation  verhandelt  und
entschieden.  Der  Guerillakrieg  hatte  in  dieser  Industrie  seine  Rolle
ausgespielt.
Das  war  das  Fazit  des  großen  Bierboykotts  von  1894.
            
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