Full text: Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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Denn ob der MeichSlag (1* Woniltl 
WrotcfsotfjQji. troo alledem 
Und ob bet lleulel teoglti 
TOli Hur und Harn und aHcbeni, 
Trotz alledem »mb altcbcn» 
Trotz Dummheit, (!i|l und alledein 
Wir lollse» doch: Die MenschUchle» 
Bidlttl den Steg. Iratz alleren»! 
Seid, gretllgraltz. 
Gutachten des Ältestenkolle 
giums derBerlinerKaufmann- 
schuft in Sachen der Kündi 
gungsfrist kräftig Stellung in 
einer Broschüre: „Vertritt das 
Ältestenkollegium die Gesamt- 
interefsen der Berliner Kauf 
mannschaft?"; sie pocht mit 
einer Eingabe, welche die Aus 
dehnung des Krankenver 
sicherungszwanges auf die 
Handlungsgehilfen fordert, 
ail die Türen des Berliner 
Magistrats — zunächst aller 
dings noch vergebens, dagegen 
machen in einer von ihr ver 
anstalteten großer» öffent 
lichen Versammlung, in der 
A. Auerbach über die „So 
zialreform und der Kauf 
mannsstand" referierte, dessen 
Referat und die Debatte einen 
solchen Eindruck auf den an 
wesenden konservativen Ab 
geordneten Dr. Lartmann, 
daß dieser erklärt, er habe von 
den gekennzeichneten Zustän 
den bisher keine Ahnung ge 
habt, werde aber nun für die 
Forderungen der Gehilfen ein 
treten. Ein am 3. März 1887 
in Stettin gehaltener Vortrag Auerbachs: „Die Landlungsgehilfen-Be 
wegung in ihren Ursachen und Zielen" übt eine so zündende Wirkung, 
daß sich sofort eine Mitgliedschaft konstituiert. Denunziationen der bürger 
lichen Presse, es handle sich um eine sozialdemokratische Gründung, haben 
aber auch hier wiederum die Wirkung, daß die Beigetretenen hinterher 
ängstlich werden und sich wieder zurückziehen. Aber auch in Berlin selbst 
stellte sich ein verhängnisvolles Abflauen der Bewegung ein. Es war 
die Zeit des Puttkamerschen Streikerlasses und der verschärften Spitzel 
wirtschaft. Sich häufende Versammlungsauflösungen und fortgesetzte 
Denunziationen schüchterten einen großen Teil der Gewonnenen ein und 
raubten dem Verein bei einer iin sozialen Denken sonst rückständigen Berufs- 
schicht, wie es die große Mehrheit der Landlungsgehilfen waren, jede Werbe 
kraft. Ihn unter diesen Umständen fortsetzen wollen, hätte kraftvergeudende 
Vereinsspielerei geheißen, und so ward am 8. Dezember 1887 in einer zu diesem 
Zweck einberufenen außerordentlichen Generalversammlung die „Freie Organi 
sation junger Kaufleute" von ihren Schöpfern selbst zu Grabe getragen. 
Sie sollte jedoch nicht lange ohne Nachfolger bleiben. Es kamen der 
Tod Wilhelms I., die 99 Tage Friedrichs III., der Sturz Puttkamers, 
Kollegen, Kolleginnen! 
Noch ist die entscheidende Schlacht nicht geschlagen, noch gilt es 
heiße Kämpfe führen, um die gesetzliche Einführung des 8 Uhr-SchlusseS 
zu erringen. Immer lauter erschallt das Wuthgeheul der gcsammten 
Unternehmerschaft darüber, daß man ihnen die Ausbeutung ihrer Lohn- 
sklaven auf 15 Stunden täglich beschränken will. 
Kollegen, Kolleginnen? Euch erwächst hieraus die Ausgabe, 
unermüdlich die Agitation für. den 8 Uhr'"Schluß zu betreiben und 
jede Gelegenheit zu benutzen, öffentlich "diese Eure Forderung zu 
dokumentiren. Deshalb. Kollegen und Kolleginnen, ist es Eure Pflicht 
vollzählig zu erscheinen in der am 
Donnerstag, den 18. Juni 1890 
Abends 9 Uhr 
stattfindender» 
GrchliWIichcliNkchmlMg 
Cohns Festsälrn. Kruth Sir. 20/22. 
Tagcs-Ordnung 
i. Die Handlungs-Gehilfen und die neueste Gesetzgebung 
Referent: Reichstag?'Abgeordneter Bogt her l 
2 Diskussion. 
3 Verschiedenes. 
Drr JlfririMcusmiiitn im fiftiirur KandluW-Ethilsk» 
Albert Wilde, Berlin 6.. Linie»-Straße 2, 
170. Versammlungs-Einladung
	        
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