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Denn ob der MeichSlag (1* Woniltl
WrotcfsotfjQji. troo alledem
Und ob bet lleulel teoglti
TOli Hur und Harn und aHcbeni,
Trotz alledem »mb altcbcn»
Trotz Dummheit, (!i|l und alledein
Wir lollse» doch: Die MenschUchle»
Bidlttl den Steg. Iratz alleren»!
Seid, gretllgraltz.
Gutachten des Ältestenkolle
giums derBerlinerKaufmann-
schuft in Sachen der Kündi
gungsfrist kräftig Stellung in
einer Broschüre: „Vertritt das
Ältestenkollegium die Gesamt-
interefsen der Berliner Kauf
mannschaft?"; sie pocht mit
einer Eingabe, welche die Aus
dehnung des Krankenver
sicherungszwanges auf die
Handlungsgehilfen fordert,
ail die Türen des Berliner
Magistrats — zunächst aller
dings noch vergebens, dagegen
machen in einer von ihr ver
anstalteten großer» öffent
lichen Versammlung, in der
A. Auerbach über die „So
zialreform und der Kauf
mannsstand" referierte, dessen
Referat und die Debatte einen
solchen Eindruck auf den an
wesenden konservativen Ab
geordneten Dr. Lartmann,
daß dieser erklärt, er habe von
den gekennzeichneten Zustän
den bisher keine Ahnung ge
habt, werde aber nun für die
Forderungen der Gehilfen ein
treten. Ein am 3. März 1887
in Stettin gehaltener Vortrag Auerbachs: „Die Landlungsgehilfen-Be
wegung in ihren Ursachen und Zielen" übt eine so zündende Wirkung,
daß sich sofort eine Mitgliedschaft konstituiert. Denunziationen der bürger
lichen Presse, es handle sich um eine sozialdemokratische Gründung, haben
aber auch hier wiederum die Wirkung, daß die Beigetretenen hinterher
ängstlich werden und sich wieder zurückziehen. Aber auch in Berlin selbst
stellte sich ein verhängnisvolles Abflauen der Bewegung ein. Es war
die Zeit des Puttkamerschen Streikerlasses und der verschärften Spitzel
wirtschaft. Sich häufende Versammlungsauflösungen und fortgesetzte
Denunziationen schüchterten einen großen Teil der Gewonnenen ein und
raubten dem Verein bei einer iin sozialen Denken sonst rückständigen Berufs-
schicht, wie es die große Mehrheit der Landlungsgehilfen waren, jede Werbe
kraft. Ihn unter diesen Umständen fortsetzen wollen, hätte kraftvergeudende
Vereinsspielerei geheißen, und so ward am 8. Dezember 1887 in einer zu diesem
Zweck einberufenen außerordentlichen Generalversammlung die „Freie Organi
sation junger Kaufleute" von ihren Schöpfern selbst zu Grabe getragen.
Sie sollte jedoch nicht lange ohne Nachfolger bleiben. Es kamen der
Tod Wilhelms I., die 99 Tage Friedrichs III., der Sturz Puttkamers,
Kollegen, Kolleginnen!
Noch ist die entscheidende Schlacht nicht geschlagen, noch gilt es
heiße Kämpfe führen, um die gesetzliche Einführung des 8 Uhr-SchlusseS
zu erringen. Immer lauter erschallt das Wuthgeheul der gcsammten
Unternehmerschaft darüber, daß man ihnen die Ausbeutung ihrer Lohn-
sklaven auf 15 Stunden täglich beschränken will.
Kollegen, Kolleginnen? Euch erwächst hieraus die Ausgabe,
unermüdlich die Agitation für. den 8 Uhr'"Schluß zu betreiben und
jede Gelegenheit zu benutzen, öffentlich "diese Eure Forderung zu
dokumentiren. Deshalb. Kollegen und Kolleginnen, ist es Eure Pflicht
vollzählig zu erscheinen in der am
Donnerstag, den 18. Juni 1890
Abends 9 Uhr
stattfindender»
GrchliWIichcliNkchmlMg
Cohns Festsälrn. Kruth Sir. 20/22.
Tagcs-Ordnung
i. Die Handlungs-Gehilfen und die neueste Gesetzgebung
Referent: Reichstag?'Abgeordneter Bogt her l
2 Diskussion.
3 Verschiedenes.
Drr JlfririMcusmiiitn im fiftiirur KandluW-Ethilsk»
Albert Wilde, Berlin 6.. Linie»-Straße 2,
170. Versammlungs-Einladung