Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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eine  noch  leistungsfähigere  Maschine  bestellt:  eine  doppelbreite  Vierrollen-Rotationsmaschine,
  die  in  der  Stunde  bis  elftausend  64  Seiten  starke,  bis
zweiundzwanzigtausend  32  Seiten  starke  oder  bis  vierundvierzigtausend  16
Seiten  starke  Exemplare  liefert.  Es  war  die  stärkste  bisher  in  Deutschland
gebaute  Buchdruckmaschine,  aber  auch  mit  ihrer  Lilfe  konnten  die  steigenden
Ansprüche  an  die  Druckerei  nicht  bewältigt  werden,  so  daß  eine  weitere
32seitige  Rotationsmaschine  bestellt  wurde,  die  für  besseren  Werkdruck  ein
besonderes  Farbwerk  hat,  wie  denn  überhaupt  die  Maschinen  für  den
Akzidenz-  und  Werkdruck  des  Vorwärts-Anternehmens  unausgesetzt  durch
vervollkommnete  Exemplare  ergänzt  und  vermehrt  wurden.  In  ähnlicher
Weise  dehnten  sich  Stereotypie,  Buchbinderei  und  andere  Nebenbeiriebe.
Da  nun  außerdem  der  Parteivorstand  seine  Bureaus  in  das  Vorwärtsgebäude ­
  verlegte,  das  Parteiarchiv  der  deutschen  Sozialdemokratie  dort
untergebracht  wurde  und  auch  der  Zentralverband  der  sozialdemokratischen
Wahlvereine  Groß-Berlins  sowie  das  Parteisckretariat  für  die  Provinz
Brandenburg  daselbst  sich  einquartierten,  gab  es  bis  zur  Zeit  der  Fertigstellung ­
  dieses  Buches  dort  immer  wieder  neues  Limziehen.  Ursprünglich
an  Privatgeschäfte  vermietete  Räume  mußten  aufgekündigt,  für  die  juristische
Sprechstunde  des  „Vorwärts"  Zimmer  außerhalb  des  Gebäudes  gemietet
werden.  Alles  das  schildert  anschaulich  die  Jubiläumsnummer,  die  der
„Vorwärts"  am  31.  März  1909  zur  Feier  seines  25jährigen  Bestehens
als  Berliner  Volksblatt  herausgab.  In  der  kurzen  Zeit  seit  der  Gründung
der  Vorwärtsdruckerei  hatte  sich  deren  technisches  Personal  wie  folgt  vermehrt: ­
  Maschinenmeister  von  5  auf  24,  Maschinensetzer  von  4  auf  16,
Landsetzer  von  36  auf  88,  Stereotypeure  von  5  auf  11,  Buchbinder  und
Buchbindereiarbeiterinnen  von  14  auf  44,  Monteure  von  2  auf  3,  Lilfsarbeiter
  verschiedener  Art  von  22  auf  82,  insgesamt  von  88  auf  268  Personen.
Nur  zu  einem  Teil  ist  diese  Vermehrung  des  Personals  Folge  der
gesüegenen  Auflage  des  „Vorwärts"  und  der  Zunahme  seiner  Beilagen.
Sie  ist  auch  in  hohem  Grade  durch  die  außerordentliche  Vermehrung  der
Druckaufträge,  die  dem  Geschäft  zugehen,  und  die  steigenden  Auslagen  der
Verlagsartikel  der  Buchhandlung  Vorwärts  nötig  geworden.  Die  sozialdemokratische ­
  Arbeiterschaft  betrachtet  es  als  eine  Ehrensache,  ihre  Druckaufträge ­
  der  Vorwärts-Druckerei  zuzuwenden,  die  Schöpfung  und  Eigentum
ihrer  Partei  ist.  Arbeiterverbindungen  und  einzelne  Genoffen  haben  das
zur  Gründung  der  Druckerei  erforderliche  Kapital  von  einer  halben  Million
Mark  in  Form  von  Darlehen  vorgestreckt,  und  zu  den  Darlehnsgebern  gehörten ­
  auch  Arbeiter,  die  ihr  Erspartes  für  diesen  Zweck  herliehen.  Schneller
jedoch  als  man  es  damals  ahnen  mochte,  haben  alle  diese  Darlehen  zurückgezahlt ­
  werden  können  —  zurückgezahlt,  während  jene  großen  Neuanschaffungen ­
  gemacht  wurden!  Die  Vorwärts-Druckerei,  heute  eine  der  größten ­
  Druckereien  Deutschlands,  druckt  außer  dem  „Vorwärts"  einen  großen
Teil  der  Auflage  der  Unterhaltungsbeilage  „Neue  Welt",  deren  Verleger
das  Lamburger  Parteigeschäft  ist,  ferner  die  Änterhaltungsschrift  „In  Freien
Stunden",  viele  Gewerkschaftsblätter  und  in  Riesenauflagen  allerhand  Flugschriften ­
  und  Flugblätter  der  Partei.
Die  Entwickelung  im  Abonnentenstand  des  „Vorwärts"  war  keine
gleichmäßig  schnelle.  Beim  Erlöschen  des  Sozialistengesetzes  belief  sich  die
Auflage  auf  25  000,  hob  sich  dann  bis  zur  Mitte  der  neunziger  Jahre
            
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