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eine noch leistungsfähigere Maschine bestellt: eine doppelbreite Vierrollen-
Rotationsmaschine, die in der Stunde bis elftausend 64 Seiten starke, bis
zweiundzwanzigtausend 32 Seiten starke oder bis vierundvierzigtausend 16
Seiten starke Exemplare liefert. Es war die stärkste bisher in Deutschland
gebaute Buchdruckmaschine, aber auch mit ihrer Lilfe konnten die steigenden
Ansprüche an die Druckerei nicht bewältigt werden, so daß eine weitere
32seitige Rotationsmaschine bestellt wurde, die für besseren Werkdruck ein
besonderes Farbwerk hat, wie denn überhaupt die Maschinen für den
Akzidenz- und Werkdruck des Vorwärts-Anternehmens unausgesetzt durch
vervollkommnete Exemplare ergänzt und vermehrt wurden. In ähnlicher
Weise dehnten sich Stereotypie, Buchbinderei und andere Nebenbeiriebe.
Da nun außerdem der Parteivorstand seine Bureaus in das Vorwärts
gebäude verlegte, das Parteiarchiv der deutschen Sozialdemokratie dort
untergebracht wurde und auch der Zentralverband der sozialdemokratischen
Wahlvereine Groß-Berlins sowie das Parteisckretariat für die Provinz
Brandenburg daselbst sich einquartierten, gab es bis zur Zeit der Fertig
stellung dieses Buches dort immer wieder neues Limziehen. Ursprünglich
an Privatgeschäfte vermietete Räume mußten aufgekündigt, für die juristische
Sprechstunde des „Vorwärts" Zimmer außerhalb des Gebäudes gemietet
werden. Alles das schildert anschaulich die Jubiläumsnummer, die der
„Vorwärts" am 31. März 1909 zur Feier seines 25jährigen Bestehens
als Berliner Volksblatt herausgab. In der kurzen Zeit seit der Gründung
der Vorwärtsdruckerei hatte sich deren technisches Personal wie folgt ver
mehrt: Maschinenmeister von 5 auf 24, Maschinensetzer von 4 auf 16,
Landsetzer von 36 auf 88, Stereotypeure von 5 auf 11, Buchbinder und
Buchbindereiarbeiterinnen von 14 auf 44, Monteure von 2 auf 3, Lilfs-
arbeiter verschiedener Art von 22 auf 82, insgesamt von 88 auf 268 Personen.
Nur zu einem Teil ist diese Vermehrung des Personals Folge der
gesüegenen Auflage des „Vorwärts" und der Zunahme seiner Beilagen.
Sie ist auch in hohem Grade durch die außerordentliche Vermehrung der
Druckaufträge, die dem Geschäft zugehen, und die steigenden Auslagen der
Verlagsartikel der Buchhandlung Vorwärts nötig geworden. Die sozial
demokratische Arbeiterschaft betrachtet es als eine Ehrensache, ihre Druck
aufträge der Vorwärts-Druckerei zuzuwenden, die Schöpfung und Eigentum
ihrer Partei ist. Arbeiterverbindungen und einzelne Genoffen haben das
zur Gründung der Druckerei erforderliche Kapital von einer halben Million
Mark in Form von Darlehen vorgestreckt, und zu den Darlehnsgebern ge
hörten auch Arbeiter, die ihr Erspartes für diesen Zweck herliehen. Schneller
jedoch als man es damals ahnen mochte, haben alle diese Darlehen zurück
gezahlt werden können — zurückgezahlt, während jene großen Neuan
schaffungen gemacht wurden! Die Vorwärts-Druckerei, heute eine der größ
ten Druckereien Deutschlands, druckt außer dem „Vorwärts" einen großen
Teil der Auflage der Unterhaltungsbeilage „Neue Welt", deren Verleger
das Lamburger Parteigeschäft ist, ferner die Änterhaltungsschrift „In Freien
Stunden", viele Gewerkschaftsblätter und in Riesenauflagen allerhand Flug
schriften und Flugblätter der Partei.
Die Entwickelung im Abonnentenstand des „Vorwärts" war keine
gleichmäßig schnelle. Beim Erlöschen des Sozialistengesetzes belief sich die
Auflage auf 25 000, hob sich dann bis zur Mitte der neunziger Jahre