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Interesse. Die letztere wird darin erblickt, daß sie als Vertrauenspersonen
untereinander einen Verein gebildet haben und als Leiter eines solchen
Vereins mit anderen politischen Vereinen in Verbindung getreten sind."
Da aber die Vertrauenspersonen sich keine ständige Leitung gegeben
hatten, sondern bei ihren Zusammenkünften jedesmal nur eine Leitung für
die betreffende Sitzung wählten, fiel die Behauptung, daß sie einen Verein
gebildet hätten, zu Boden und damit auch die gegen sie gerichtete Anklage.
Ganz unbeabsichtigt hatte die Anklageschrift vielmehr gezeigt, wie es die
Vertrauensmänner machen mußten, um nicht leicht gefaßt werden zu können.
So konnten diese und die anderen Zweckkommissionen nun in alter
Weise ruhig fortarbeiten. Bald hatte Berlin auch seine sozialdemokratischen
Wahlvereine wieder vollständig. Am 26. Juni 1896 ward ein neuer
sozialdemokratischer Wahlverein für den zweiten Reichstagswahlkreis, am
9. Juli 1896 ein solcher für den fünften Reichstagswahlkreis konstituiert,
und am 14. Juli 1896 erhielt der vierte Berliner Rcichstagswahlkrcis
zwei sozialdemokratische Wahlvereine, der eine davon für den Osten, der
andere für den Südosten Berlins innerhalb der Grenzen des Kreises. Von
der Wiederaufnahme der Viertels-Einteilung in die Statuten wurde Abstand
genommen, ebenso sagen die neuen Statuten nichts von der Einrichtung der
Abteilungs- und Bezirksführer. Im sechsten Reichstagswahlkreis war schon
im April 1896, also noch vor der Gerichtsverhandlung, ein „Sozialdemokratischer
Verein Vorwärts" ins Leben gerufen worden, der seinen Zweck
sehr gut erfüllte; daher wartete man hier mehr als ein Jahr, bis man es
den anderen Wahlkreisen nachmachte. Vom Juni 1897 ab hatte aber auch
dieser Wahlkreis wieder seinen sozialdemokratischen Wahlverein, dessen
Statut sich obendrein in nichts von dem Statut des aufgelösten Vereins
unterschied.
Das alles hätte sich wahrscheinlich weniger glatt gemacht, wenn nicht
die politische Situatioir eine für Polizeiaktionen ungünstige Atmosphäre
geschaffen hätte. Wir sind am Vorabend des Prozesses des Staatssekretärs
Marschall von Bieberstein gegen den Polizeikommissar Tausch
und dessen Hintermänner. Auch konnte man in der Reichsregierung sich
nicht kurzerhand über die Tatsache hinwegsetzen, daß nur durch die von den
Sozialdemokraten geleistete Unterstützung die Handelsverträge von 1893 im
Reichstag gegen den heftigen Widerstand der Konservativen durchgebracht
worden waren, und ebenso war die Sozialdemokratie ein wichtiger Faktor
für die Gestaltung des Bürgerlichen Gesetzbuches geworden, das gerade
im Reichstag zur Beratung stand. Sie spielte überhaupt jetzt eine ganz
andere Rolle im öffentlichen Leben als früher. Es kam keine Frage von
Bedeutung auf die Tagesordnung, über die man nicht auch die Stimme
der Sozialdemokratie hören wollte; man diskutierte jetzt ernsthaft mit ihr,
erörterte ihre Theorien eingehend in den akademischen Hörsälen und wissenschaftlichen
Zeitschriften, und der veränderte Ton dieser Diskussionen ließ
auch die richterlichen Kreise nicht unberührt. Man begriff, daß gegen diese
Partei mit kleinlichen Polizeischikanen nichts auszurichten war.
Als am 11. Februar 1896 die Polizei eine im Restaurant Möhrmg,
Admiralstraße, tagende „Korpora" des zweiten Berliner Wahlkreises aufho ,
.zu der als „Geburtstagsfeier" eingeladen worden war, hatte »e,
.trotzdem die Untersuchung den wahren Charakter der Zusammenkuns erg ,