Full text: Antike Wirtschaftsgeschichte

Zwangsvrganisationen. 
137 
wie sie dieselben repartierten, war ihre Angelegenheit. Von frei 
willigen Ehrenämtern, wie sie die Republik gekannt hatte, war 
nicht mehr die Rede, die leitenden Gemeindeämter in den einzelnen 
Städten wurden erblich, auch hafteten die Inhaber für das Steuer 
ergebnis. Sogar die marktmäßigen Vorgänge waren nun erzwungene 
Pflichten, man war Kaufmann und Handwerker, ähnlich wie man 
heute eine Zeitlang Soldat ist, es wurde jedem zum Bewußtsein 
gebracht, was heute nur theoretisch formuliert zu werden pflegt, 
daß alle die, welche produzieren und Handel treiben, Ämter im 
Dienste der Gesamtheit versehen. Die Abschließung der Stände 
voneinander nahm überhand. Alles suchte diesen Forderungen zu 
entgehen, was nur durch die schärfsten Zwangsmittel verhindert 
werden konnte. Die folgenden Jahrhunderte scheinen an diesen 
Bestimmungen festgehalten zu haben, dann dürften die Vereini 
gungen bei der allgemeinen Auflösung der Wirtschaftsordnung 
allmählich von geringerer Bedeutung geworden sein, obzwar sie 
immer wieder gelegentlich erwähnt werden. Die Zünfte des Mittel 
alters lernen wir erst wieder in einer weit späteren Zeit kennen. 
Wenn sich zwischen ihnen und jenen Korporationen der Antike 
auch manche Verwandtschaft nachweisen läßt, so braucht das noch 
nicht auf einen Zusammenhang zu deuten, da ja ähnliche Institu 
tionen sogar durch ganz verschiedene Ursachen entstanden sein 
können und dazu nicht einmal ähnliche nötig sind. Durch die 
zwangmäßige Organisation waren viele Korporationen gewisser 
maßen verstaatlicht worden. Daneben erweiterte aber auch der 
Staat selbst den Kreis seiner Unternehmungen, indem er fiska 
lische Fabriken errichtete, die er teils mit Sklaven, teils mit 
freien Arbeitern, die zum Teil dazu gezwungen wurden, betrieb. 
Die Stellung zum Erwerbsleben änderte sich für jene 
Kreise nicht, in denen man sich, an die alten Traditionen an 
knüpfend, mit den sieben freien Künsten beschäftigte; man ver 
achtete die gemeinen Gewerbe ähnlich, wie man es vorher tat und 
heute tut. Es erscheint einem Dio v. Prusa z. B. selbstverständlich, 
daß sich ein Monarch am Lob freier und edler Männer freue, 
nicht aber an dem der Handarbeiter und Handelsleute (Dio v. 
Prusa X, 34). Wenn die Bildung in jenen Zeiten auch sehr ver 
flachte, so verbreitete sie sich andererseits, und die Lehrer der freien 
Künste hatten erhebliche Einnahmen, wenn sie an einer der hohen 
Schulen lehrten, die großen Zudrang aufwiesen. Viele der größeren 
Städte taten sehr viel, um Fremde herbeizuziehen; so wird berichtet,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.