Full text : Antike Wirtschaftsgeschichte

Berufsehre,  Bevölkerung.

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viele  Private  (Plinius,  Briefe  VII,  18)  durch  großartige  Stiftungen ­
  armen  Eltern  die  Sorge  um  die  Existenz  ihrer  Kinder
abzunehmen,  indem  Geld  hypothekarisch  angelegt  wurde  und  die
Zinsen  zur  Verfügung  standen;  auch  die  Ehegesetze,  die  Nachteile,
welche  Ehe-  und  Kinderlosen  drohten  (Gains  II,  286),  die  Vorteile, ­
  welche  solchen  gewährt  wurden,  die  Kinder  hatten,  vermochten
nicht  zu  Helsen  (Sueton,  Augustus  46).  Vergeblich;  neben  dem
Rückgang  der  Eheschließungen  und  der  Kinderzahl  in  den  Ehen
hatten  die  Kriege  einigen  Einfluß,  auch  war  die  staatliche  Regelung ­
  der  Getreideversorgung  in  vielen  Gegenden  so  unzureichend,
daß  Mißwachs  große  Menschenmengen  zugrunde  richtete.  Von
schrecklicher  Wirkung  waren  in  der  Kaiserzeit  seit  dem  2.  und
3.  Jahrhundert  die  Seuchen,  da  selbst  nach  ihrem  Aufhören  nicht,
wie  so  oft  in  anderen  Zeiten,  eine  vermehrte  Fruchtbarkeit  rasch
den  Ausfall  wieder  ersetzte.  Besonders  wüteten  die  Seuchen  in
Städten,  die  wie  Rom  in  ungesunder  Umgebung  lagen.  So  sollen
in  Rom  in  der  zweiten  Hälfte  des  2.  Jahrhunderts  Tausende  an
einem  Tage  gestorben  sein  (Dios  LXXII,  14).  Es  waren  ganz
andere  Plagen,  die  auf  dem  Menschen  des  untergehenden  Altertums ­
  lasteten,  als  jene  sind,  unter  denen  die  moderne  Menschheit
leidet.  Als  um  die  Mitte  des  3.  Jahrhunderts  Origenes  den  Opfertod ­
  Jesu  recht  klar  beleuchten  wollte,  verglich  er  ihn  mit  jenen
Männern,  die  für  die  Gesamtheit  starben,  um  die  drei  großen
Plagen  abzuwehren:  Seuchen,  Mißwachs  und  Stürme,  die
den  Handel  gefährdeten  (Origenes,  Gegen  Celsus  I,  31).
Immer  wieder  begegnen  uns  bei  den  verschiedensten  Autoren  die
schrecklichen  Schilderungen  der  Hungersnot,  der  Pest  und  der
Kriege  (Eusebius,  KirchengeschichteIX,  8).  Und  all  diese  Schrecknisse ­
  wüteten  in  demselben  Kaiserreich,  das  zunächst  als  Träger
des  Weltfriedens  Ruhe  und  Ordnung  verbreitet  hatte.
Dieser  Bevölkerungsabnahme  und  den  damit  verbundenen  Umwälzungen ­
  entsprach  auch  die  Veränderung  der  Wehrverfassung.
Das  alte  Bauernheer  war  bereits  durch  die  republikanische  Kriegsführung ­
  zugrunde  gerichtet  worden;  dann  wurden  in  immer  stärkerem
Maße  fremde  Nationen  zum  Heeresdienst  herangezogen,  erst  nur
als  Leichtbewaffnete  zur  Flügeldeckung,  dann  auch  als  selbständige
Körper,  bis  sie  dann  trotz  aller  Bemühungen  der  Kaiser,  so
besonders  des  Augustus,  schließlich  den  Hauptstock  des  Heeres
bildeten.  Die  herrschenden  Schichten  der  italischen  Bevölkerung
waren  dann  nicht  mehr  der  Hauptstamm  der  Armee.  Seit  der
            
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