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diesen wurde nahezu die Hälfte als gebessert entlassen. Von 197 ehemaligen
Zöglingen des Löwenberger Rettungshauses betrugen sich
nach eingehenden Informationen der Hausleitung 118 sehr gut, und
über 48 wurde nichts Nachteiliges bekannt. Von den Entlassenen des
evangelischen Magdalenenasyls „Bethesda" bei Boppard wurden in
den ersten 10 Jahren seiner Tätigkeit etwa zwei Fünftel der Mädchen
gerettet, bei zwei Fünftel war das Betragen zweifelhaft, ein Fünftel
der Mädchen fiel wieder in ihr Lasterleben zurück.
Wir bringen hier diese Tatsachen mit um so größerer Freude
zum Abdruck, als sie beweisen, daß entschieden die Erziehungsarbeit
an jungen Prostituierten nicht zur Unfruchtbarkeit von vornherein
verdammt ist. Selbst die nach einseitigen religiösen Grundsätzen
geleiteten, mit ungenügenden Lehrkräften besetzten und mit geradezu
dürftigen materiellen Mitteln ausgerüsteten Anstalten der
„Inneren Mission" wiesen bereits Erfolge bei der Erziehung der
Prostituierten zu einer ehrlichen Arbeit und zu einem redlichen
Lebenswandel auf. Was werden da sozialfortschrittliche pädagogische
Anstalten leisten können?
Wir betonten bereits mit großem Nachdruck die Notwendigkeit
einer grundstürzenden Reform der bestehenden Fürsorgeerziehungsinstitutc.
Als Schöpfung eines streng religiösen Geistes trugen diese
Anstalten ein einseitiges religiös-kirchliches Gepräge an sich, sie
waren mit ihren ungeschulten Hausväterlehrkräften zu einer grobkörperlichen
Arbeitsausbeutung gezwungen, sie wurden direkt wegen
ihrer ärmlichen Mittel zu einer Knauserei in der Beköstigung ihrer
Zöglinge und zu einer gewerblichen und landwirtschaftlichen Uebcrnrbeit
derselben gedrängt.
Der Staat, als er das Fürsorgeerziehungsgesetz schuf, war zunächst,
da er auf diesem Gebiete bisher völlig untätig gewesen war,
auf die Anstalten der „Inneren Mission" angewiesen. An diesen
Anstalten mußte aber sofort, wenn sie dem großen sozialen Zweck
einer wirklichen Erziehung verwahrloster Mädchen dienen sollten,
eine Reform an Haupt und Gliedern vorgenommen werden.
Ueber die Mehrzahl dieser Anstalten prägte der Leiter einer
großen Erziehungsanstalt das Wort:
„Für den Strafzweck fehlt diesen Anstalten recht viel, für den
unter dem Fürsorgegesetz aber ipimer maßgebenden Erziehungszweck
fehlt ihnen nicht viel weniger als alles."
Die Geldklemme ist diesen Anstalten, die früher nur aus freiwilligen
Unterstützungen ein kümmerliches Dasein fristeten, bis auf
unsere Tage treu geblieben. Deshalb vegetieren sie heute noch vielfach
aus der Ueberarbeit der Kinder und jungen Personen. Der
Lehrer Konrad Agahd, der jüngst der gewerblichen Kinderarbeit in
den Erziehungsanstalten ein besonderes Buch widmete, schrieb in
diesem Buch mit Recht: „Kein Geld in der Anstalt — Folge: Geld
verdienen! Geld verdienen — Folge: gewerblich arbeiten. Gewerblich
arbeiten — Folge: Teilarbeit, mechanische Arbeit, Akkord-