und sich hierbei eine geschlechtliche Ansteckung zugezogen haben,
sittcnpolizeilich kontrolliert werden.
In Mannheim werden Frauenspersonen unter anderem der
sittenpolizeilichen Aufsicht unterworfen: „wegen sonstiger erwiesener
Tatsachen, insbesondere deshalb, weil sie wegen syphilitischer Er
krankungen behandelt worden sind, einen redlichen Erwerb nicht
nachzuweisen vermögen und der gewerbsmäßigen Unzucht als
dringend verdächtig erscheinen" In Gera werden der Ausübung
der gewerbsmäßigen Unzucht verdächtige oder überführte Personen
in die Kontrolliste eingetragen.
Bis tief in die extrem konservativen Pastorenkreise hinein hat
man heute erkannt, welche geradezu ungeheuerliche Machtfülle der
Staat in die Hände untergeordneter Polizeiverwaltungen durch
seine sittenpolizeilichen Verordnungen legte, und welche existenz-
vernichtenden Folgen die Zwangseinschreibung der „prostitutions-
verdächtigcn" Frauen unter Umständen nach sich ziehen kann.
In den Konferenzen der deutschen Sittlichkeitsvereine zogen
charakteristischerweise wiederholt Pastoren und Juristen gegen die
sittenpolizeiliche Kontrolle zu Felde.
Auf der „Allgemeinen Konferenz der deutschen Sittlichkeits
vereine" zu Frankfurt a. M. 1893 führte nach dem „Reichsboten"
der Landesgerichtsrat Schmölder unter anderem aus: „Die Zwangs-
einschrcibung ist auch ungesetzlich. Die unglaublichsten Uebergriffe
ereignen sich dabei. Ein praktischer Fall: Die Wäscherin N. N.
steht im (unbegründeten) Verdacht des unzüchtigen Verkehrs, weil
sie abends mit Soldaten verkehrt. Sie wird eingeschrieben. Sie
muß ihre Wohnung deshalb aufgeben. Ihr Eindruck vor Gericht
ist der eines ordentlichen Mädchens. Nach drei Monaten war sie
eine ausgesprochene Dirne. Das Verwaltungsstreitverfahren, an
das die Verletzte sich hätte klammern können, ist für solche Wesen
ein unbekannter Begriff. Eine frühere Dirne hatte eine ehrliche
Dienststelle. Nach zwei Jahren wurde sie von einem Schutzmann
auf der Straße in Köln erkannt und wieder zur Einschreibung ge
zwungen, in Untersuchungshaft genommen. Sie ist noch nicht von
der Dirnenliste gestrichen!"
Mit flammender Entrüstung ging der Pastor Jsermeher nach
dem „Reichsboten" gegen die Schäden der Sittenkontrolle vor: „Seit
zehn Jahren," sagt er, „habe ich in der Korrektionsanstalt zu Hildes
heim 1500 bis 2000 Dirnen behandelt. Sie sagten mir alle, daß
sie durch die Polizei gezwungen worden, wieder ihr unzüchtiges Ge
werbe zu treiben. Ich glaubte es nicht, mutzte mich davon über
zeugen. Sie werden immer wieder unter Kontrolle gestellt, auch
wenn sie ein ganzes Jahr in dem von mir gestifteten Asyl gewesen
waren. Sie werden aus dem Dienst geholt (Ruf: schrecklich!). Auf
meine Reklamation wurde ich auf der Polizei verhöhnt! Es ist alles
vergeblich! Es ist eine Schmach und Schande, die auf den Unglück-