Full text: Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung

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aus. Gerade die Prostituierten vergiften vor allem den Jung 
brunnen, aus dem die Menschheit stets erneut emporsteigen soll. 
Keine wirksame Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten ohne un 
entgeltliche Heilung der venerischen Leiden der Prostituierten und 
ohne die Versorgung derselben mit den notwendigen Unterhalts 
mitteln während ihrer Krankheiten. Die Prostituierte, die während 
ihrer Krankheit nicht genügend versorgt ist, geht ihrem Erwerbe auf 
der Straße nach. 
Der Sozialhygieniker und Sozialpolitiker, der einen vernich 
tenden Schlag gegen die Geschlechtskrankheiten führen will, muß 
durch die Gewährung genügender Subsistenzmittel an die Er 
krankten und durch unentgeltliche Krankenbehandlung einen natür 
lichen Anreiz bei allen mittellosen Venerischen für eine gründliche 
Behandlung ihrer Leiden schaffen. Wir schlagen daher die allgemeine 
Einführung von Krankenkasseneinrichtungen für die Volkskreise vor, 
die besonders an Leib und Seele durch die Geschlechtskrankheiten 
vergiftet werden. Welche Volkskreise werden nun vor allem von den 
Geschlechtskrankheiten heimgesucht? Nun die Bevölkerung unserer 
Groß-, Verkehrs- und Hafenstädte. In dem Königreich Preußen 
wohnten in Berlin und in 17 Großstädten über 100 000 Einwohner 
61,36 Prozent der gesamten geschlechtskranken Männer und 60,83 
Prozent der geschlechtskranken Frauen Preußens. Die gesetzliche 
Begründung von Krankenkasseneinrichtungen für die unentgeltliche 
Behandlung Geschlechtskranker ist vor allem in den wirklich venerisch 
verseuchten Orten vorzusehen. Das sind nach der preußischen 
Statistik der Geschlechtskranken die Groß-, Mittel-, Hafen- und 
Fremdenverkehrsstädte. Dort, wo leistungsfähige Krankenkassen be 
stehen, — und das ist in allen Groß- und Mittelstädten der Fall 
— ist deren Wirkungskreis durch Uebernahme der auf öffentliche 
Kosten verpflegten Venerischen zu erweitern. In den für venerisch 
verseucht erklärten Ortschaften wird der ärztliche Behandlungszwang 
für alle Geschlechtskranke eingeführt. 
Die deutschen Krankenkassen brechen heute fast schon unter dem 
Schwergewicht der auf ihnen ruhenden Verpflichtungen zusammen. 
Wir wollen durchaus nicht die proletarischen Elemente der Kranken 
kassen für die Kollektivschuld der Gesellschaft haften lassen. Die 
eigenartige Organisation der heutigen Klassengesellschaft verschuldet 
die Prostitution mit ihrem furchtbaren Angebinde, der Venerie. Der 
Staat hat daher die Kosten, die die Krankenkassen für die Heilung 
der venerischen Krankheiten auswerfen, diesen zurückzuerstatten. 
Die Existenz der vortrefflichsten und humansten Sanitätsein 
richtungen verbürgt durchaus noch nicht immer deren Benutzung 
durch alle Volkskreise, namentlich nicht durch träge, leichtsinnige und 
böswillige Elemente. Unter den Prostituierten, den hauptsächlichsten 
Verbreiterinnen der venerischen Seuche, befinden sich viele lässige, 
gewissenlose und moralisch entartete Geschöpfe, deren ureigenstes
	        
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