— 83 —
i. sW a s bic Magd a lenen- und Rettungshäus er
erzählen.
Unheimlich eng ist an die Zerrüttung der Familie die sittliche
Verwahrlosung der Mädchen gekettet. In dem gelockerten Familien-
zusammenhange gehen die lockeren Mädchencharaktere gar leicht
sittlich zu Grunde. Der Mangel eines festen Familienzusammen
halts ist der moralische Tod für so viele haltlose Mädchen. Richt :
jedes Mädchen einer zerstörten Familie wandelt aber den schmutzigen
Weg der Dirne. Nur in sittlich angefaulten Charakteren verbreiten
sich mit furchtbarer Schnelligkeit die sozialen Korruptionsbakterien. ;
Allerdings kann eine zerstörte Häuslichkeit so mit Fäulniskeimen
durchsetzt fein, daß in ihr selbst die festesten Charaktere gebrochen f
werden müssen. Das zeigen sehr deutlich die Lebensumrisse der
weiblichen. Zöglinge der Rettüngshäuser und Magdalenenashle.
Betreten wir■ einmal die meist so freudlosen Räume der
Magdalenenashle und lauschen wir den Lebensromanen der sittlich
verwahrlosten Mädchen.
Aus dem 69. Jahresbericht des evangelischen Asyls für weib
liche Entlassene und des Magdalenenstiftes zu Kaiserswerth a. Rh.
vernehmen wir folgende Klage:
Was für Bejammernswerte sind zu uns gekommen! Uneheliche
Kinder von Müttern, die selbst nie einen Vater gekannt, teilweise
im Gefängnis oder noch schlimmeren Orten geboren, Töchter, die
vom eigenen Vater oder der eigenen Mutter in zarter Jugend für
elendes Geld verkauft, in sehr vielen Fällen vom eigenen Vater in
die Schande hineingestoßen, Kinder von 10, 12, 18 und 14 Jahren,
die zum Teil Jahre lang systematisch zur Unzucht angeleitet waren.
Glieder von Familien, in denen Verbrechen und Vergehen jeder Art
heimisch sind, die, unter dem Fluche des Alkohols zur Welt ge
kommen, nie reine Lebenslust geatmet haben. Wenn wir ganz
absehen von den nicht seltenen Fällen, wo sich eine angeborene oder
erworbene psychopathische Minderwertigkeit ärztlich nachweisen läßt,
wie oft macht das sündige Leben, begonnen zu einer Zeit, wo von
Verantwortlichkeit noch keine Rede sein kann, widerstandsunfähig
gegen spätere Versuchungen. Wir haben es infolgedessen in unserer
Arbeit zum nicht geringen Teil mit veränderten Wesen zu tun, die
anders fühlen, anders denken, anders urteilen wie wir, die unter
Ehre, Wahrheit, Recht, Menschenwürde, Eigentum, Glück, Glauben,
Gottvertrauen, Liebe, Dankbarkeit völlig andere Dinge verstehen
h.vie wir. Sie haben kein Scham- und Ehrgefühl mehr, bei vielen
fty -e e ,at es sich nie entwickeln können. Und so sind sie geworden, zum
• F ^»»griMN Teil, menschlich geredet, ohne ihren Willen, ohne ihre
Schuld."
-4; Den Aufzeichnungen eines Geistlichen verdanken wir folgende
n '' e $er- 1,, > kurze Lebensabrisse über die Zöglinge einer Rettungsanstalt: