Full text : Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung

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i.  sW  a  s  bic  Magd  a  lenen-  und  Rettungshäus  er
erzählen.

Unheimlich  eng  ist  an  die  Zerrüttung  der  Familie  die  sittliche
Verwahrlosung  der  Mädchen  gekettet.  In  dem  gelockerten  Familienzusammenhange
  gehen  die  lockeren  Mädchencharaktere  gar  leicht
sittlich  zu  Grunde.  Der  Mangel  eines  festen  Familienzusammenhalts ­
  ist  der  moralische  Tod  für  so  viele  haltlose  Mädchen.  Richt  :
jedes  Mädchen  einer  zerstörten  Familie  wandelt  aber  den  schmutzigen
Weg  der  Dirne.  Nur  in  sittlich  angefaulten  Charakteren  verbreiten
sich  mit  furchtbarer  Schnelligkeit  die  sozialen  Korruptionsbakterien.  ;
Allerdings  kann  eine  zerstörte  Häuslichkeit  so  mit  Fäulniskeimen
durchsetzt  fein,  daß  in  ihr  selbst  die  festesten  Charaktere  gebrochen  f
werden  müssen.  Das  zeigen  sehr  deutlich  die  Lebensumrisse  der
weiblichen.  Zöglinge  der  Rettüngshäuser  und  Magdalenenashle.
Betreten  wir■  einmal  die  meist  so  freudlosen  Räume  der
Magdalenenashle  und  lauschen  wir  den  Lebensromanen  der  sittlich
verwahrlosten  Mädchen.
Aus  dem  69.  Jahresbericht  des  evangelischen  Asyls  für  weibliche ­
  Entlassene  und  des  Magdalenenstiftes  zu  Kaiserswerth  a.  Rh.
vernehmen  wir  folgende  Klage:

Was  für  Bejammernswerte  sind  zu  uns  gekommen!  Uneheliche
Kinder  von  Müttern,  die  selbst  nie  einen  Vater  gekannt,  teilweise
im  Gefängnis  oder  noch  schlimmeren  Orten  geboren,  Töchter,  die
vom  eigenen  Vater  oder  der  eigenen  Mutter  in  zarter  Jugend  für
elendes  Geld  verkauft,  in  sehr  vielen  Fällen  vom  eigenen  Vater  in
die  Schande  hineingestoßen,  Kinder  von  10,  12,  18  und  14  Jahren,
die  zum  Teil  Jahre  lang  systematisch  zur  Unzucht  angeleitet  waren.
Glieder  von  Familien,  in  denen  Verbrechen  und  Vergehen  jeder  Art
heimisch  sind,  die,  unter  dem  Fluche  des  Alkohols  zur  Welt  gekommen, ­
  nie  reine  Lebenslust  geatmet  haben.  Wenn  wir  ganz
absehen  von  den  nicht  seltenen  Fällen,  wo  sich  eine  angeborene  oder
erworbene  psychopathische  Minderwertigkeit  ärztlich  nachweisen  läßt,
wie  oft  macht  das  sündige  Leben,  begonnen  zu  einer  Zeit,  wo  von
Verantwortlichkeit  noch  keine  Rede  sein  kann,  widerstandsunfähig
gegen  spätere  Versuchungen.  Wir  haben  es  infolgedessen  in  unserer
Arbeit  zum  nicht  geringen  Teil  mit  veränderten  Wesen  zu  tun,  die
anders  fühlen,  anders  denken,  anders  urteilen  wie  wir,  die  unter
Ehre,  Wahrheit,  Recht,  Menschenwürde,  Eigentum,  Glück,  Glauben,
Gottvertrauen,  Liebe,  Dankbarkeit  völlig  andere  Dinge  verstehen
h.vie  wir.  Sie  haben  kein  Scham-  und  Ehrgefühl  mehr,  bei  vielen
fty  -e e ,at  es  sich  nie  entwickeln  können.  Und  so  sind  sie  geworden,  zum
•  F  ^»»griMN  Teil,  menschlich  geredet,  ohne  ihren  Willen,  ohne  ihre
Schuld."
-4;  Den  Aufzeichnungen  eines  Geistlichen  verdanken  wir  folgende
n  '' e $er- 1,, >  kurze  Lebensabrisse  über  die  Zöglinge  einer  Rettungsanstalt:
            
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