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verkannt wird, aber darum seiner Eigenschaft als lebens
fähig, lebenserhaltend und lebensfördernd nicht im ge
ringsten verlustig geht.
Kant unterscheidet trefflicherweise zwei Arten des
Begriffs „Gut“ als den Inbegriff dessen, was uns durch
die Vernunft gefällt: das Gute an sich oder der kate
gorische Imperativ, was für sich selbst gefällt, und das
Gute wozu, das uns als Mittel gefällt, als Mittel zu
einem Zweck, zu einem anderen Guten, das in letzter
Instanz vom Guten an sich ausgeht, wie die Lichtradien
der Sonne vom Lichtkern der Sonne ausgehen; denn das
Gute wozu ist eine hinaufführende Stufe zum höchsten
Gute, zum Guten an sich auf der Stufenleiter der
Menschheitsentwicklung.
Das Gute wozu oder das Gute als Mittel zum
Zweck ist das Nützliche. Das Nützliche ist ein Mittel,
wodurch unser Leben erhalten bleibt und sich zu einer
höheren Ordnung entfalten kann. Es kann für uns oft
unerforscht, unerkannt, unbewußt, gleichsam unter der
Schwelle des Bewußtseins bleiben, das ändert aber nichts
an seiner Qualität als Nützlichkeit. Durch den Fort
schritt der Erkenntnis steigt es aber in das Bewußtsein
hinauf, wird in den Tätigkeitsbereich des Willens auf
genommen und wird zu einer Lebensrealität darum,
weil es Lebensnotwendigkeit ist; denn jede Form des
Lebens hat gewisse Mittel, die es voraussetzt, weil es
durch diese Mittel erhalten und gesteigert (gefördert)
wird und umgekehrt, gewisse Dinge haben die Eigen
schaft von lebenserhaltenden Mitteln nur unter bestimmten
Verhältnissen des Daseins und steigen erst dann in die
Kategorie der Nützlichkeit oder Notwendigkeit auf.
Qie erkannte Eigenschaft eines Dinges als Mittel
für eine konkrete Lebensgestaltung (in diesem Falle
braucht das Ding nicht nützlich zu sein) oder eine
Lebensförderung und Lebensentwicklung (in diesem