Full text: David Ricardo und die Grenzwerttheorie

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Güter, die für den Bestand und für die Fortentwickelung 
gewisser Formen des Lebens notwendig sind, ermangeln, 
wirtschaftliche Bedürfnisse. Je nachdem die ermangeln 
den Güter näher oder weiter den bestimmten Lebens 
formen stehen, entstehen verschiedene Arten und Grade 
der Bedürfnisse. In der Unterscheidung und Abgrenzung 
der Bedürfnisarten und Bedürfnisgrade, was in der 
Wertlehre von grundlegender Bedeutung ist, haben 
A. Schäffle und A. Wagner eine Einteilung durch 
geführt, welche auch für die Lösung praktischer Fragen 
der Finanzpolitik und der Steuergesetzgebung des Staates 
von entscheidender Wichtigkeit ist. [Darüber folgen 
nähere Ausführungen im vierten Kapitel.] Dies ist die 
Unterscheidung zwischen primären oder Existenzbedürf 
nissen und sekundären oder Kulturbedürfnissen 1 ). 
Die primären Bedürfnisse sind bei allen Menschen 
fast gleich; sie entspringen aus den Grundbedingungen 
für die Existenz des menschlichen Wesens; ihre Be 
friedigung muß zunächst erfolgen; obwohl sie der Menge 
von Anstrengung nach, die sie beanspruchen, im all 
gemeinen nicht der primäre Zweck der wirtschaftlichen 
Tätigkeit sind. Die Existenzbedürfnisse des Menschen 
fallen unter das Gesetz der Homogeneität; denn sie sind 
bei allen Menschen fast gleich groß, oft auch gleichartig, 
z. B. elementares Nahrungsbedürfnis, Brotquantum. 
Die Kulturbedürfnisse dagegen sind mehr individu 
eller Natur, nach Kulturgrad, . Bildungsstufe und wirt 
schaftlicher Kaufkraft von Individuum und Gesellschafts 
klassen verschieden. Sie fallen deshalb unter das Prinzip 
der Spezifikation, wie Schopenhauer einmal sagt 2 ). 
Diese Einteilung der Bedürfniskategorien hindert es 
nicht, daß gewisse Bedürfnisarten aus der einen Kate 
! ) A. Wagner, Grundlegung, I, 1. Teil, S. 96. 
2 ) Arth. Schopenhauer, Die vierfache Wurzel des Satzes 
vom zureichenden Grunde, § 1.
	        
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