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Daß A. Smith die fundamentale Unterscheidung
zwischen den beiden Kategorien der Bedürfnisse, den
Existenz- und den Kulturbedürfnissen gleichsam intuitiv
empfand, wird aus verschiedenen Stellen seines „Volkswohlstandes“
ersichtlich; so sagt er einmal: „ . . . daß
das Verlangen nach Nahrung hei jedem Menschen durch
den engen Raum des menschlichen Magens begrenzt ist,
aber das Verlangen nach Bequemlichkeiten und Verschönerungen
der Wohnung, Kleidung, des Fuhrwerks
und des Hausrats keine Grenze oder sichere Schranke
zu haben scheint.“ 1 ) Wo eine höhere Kulturstufe besteht,
muß die Befriedigung der zweiten Bedürfnisart,
der Kulturbedürfnisse, das wichtigere Motiv oder die
eigentliche Triebfeder des Wirtschaftens abgeben. Denn
nur da, wo der Mensch nicht jeden Tag ans Darben
und an das Existenzminimum zu denken braucht, kann
er überhaupt eine höhere Lebensweise führen.
Hieran knüpft der Gedanke vom Grenznutzen oder
vom Grenzwerte an; er beruht auf der einfachen und
feinen Beobachtung, daß die primären Bedürfnisse nicht
sehr ausdehnbar, aber auch ohne Zerstörung des menschlichen
Lebens nicht zusammenziehbar, relativ unelastisch
nach unten oder nach oben sind. Die untere Grenze
der Bedürfnisbefriedigung zur Fristung eines menschlichen
Lebens nennt man das Existenzminimum, das an
sich eine relative, nach Zeit, Ort und Person verschiedene
Größe ist.
Diese Elastizität der Kulturbedürfnisse im Vergleich
zu den Existenzbedürfnissen kann man mit einem zusammenhängenden
System von Sprungfedern vergleichen,
wo die Federn aus verschiedenem Draht gemacht sind,
eine aus biegsamerem, andere aus spröderem Metall.
') Wealth of nations, zitiert in Ricardos Principles, deutsch
von Baumstark, 2. Aufl. 1877, S. 357.