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Güter, die für den Bestand und für die Fortentwickelung
gewisser Formen des Lebens notwendig sind, ermangeln,
wirtschaftliche Bedürfnisse. Je nachdem die ermangelnden
Güter näher oder weiter den bestimmten Lebensformen
stehen, entstehen verschiedene Arten und Grade
der Bedürfnisse. In der Unterscheidung und Abgrenzung
der Bedürfnisarten und Bedürfnisgrade, was in der
Wertlehre von grundlegender Bedeutung ist, haben
A. Schäffle und A. Wagner eine Einteilung durchgeführt,
welche auch für die Lösung praktischer Fragen
der Finanzpolitik und der Steuergesetzgebung des Staates
von entscheidender Wichtigkeit ist. [Darüber folgen
nähere Ausführungen im vierten Kapitel.] Dies ist die
Unterscheidung zwischen primären oder Existenzbedürfnissen
und sekundären oder Kulturbedürfnissen 1 ).
Die primären Bedürfnisse sind bei allen Menschen
fast gleich; sie entspringen aus den Grundbedingungen
für die Existenz des menschlichen Wesens; ihre Befriedigung
muß zunächst erfolgen; obwohl sie der Menge
von Anstrengung nach, die sie beanspruchen, im allgemeinen
nicht der primäre Zweck der wirtschaftlichen
Tätigkeit sind. Die Existenzbedürfnisse des Menschen
fallen unter das Gesetz der Homogeneität; denn sie sind
bei allen Menschen fast gleich groß, oft auch gleichartig,
z. B. elementares Nahrungsbedürfnis, Brotquantum.
Die Kulturbedürfnisse dagegen sind mehr individueller
Natur, nach Kulturgrad, . Bildungsstufe und wirtschaftlicher
Kaufkraft von Individuum und Gesellschaftsklassen
verschieden. Sie fallen deshalb unter das Prinzip
der Spezifikation, wie Schopenhauer einmal sagt 2 ).
Diese Einteilung der Bedürfniskategorien hindert es
nicht, daß gewisse Bedürfnisarten aus der einen Kate!
) A. Wagner, Grundlegung, I, 1. Teil, S. 96.
2 ) Arth. Schopenhauer, Die vierfache Wurzel des Satzes
vom zureichenden Grunde, § 1.