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findung ist jederzeit bloß empirisch, und kann a priori
gar nicht vorgestellt werden“ 1 ) (z. B. Farben, Geschmack,
wirtschaftliche Nutzenempfindung etc.).
Indem die moderne Psychologie, von Herbart,
Weber, Feehner an, die interessanten Phänomene der
Empfindungsqualitäten und Unterschiedsempfindlichkeit
der Reizschwellen und Bewußtseinsgrade zu untersuchen
begann, wo der Hauptzweck darin besteht, die Ober
und Unterschwellen zu bestimmen, innerhalb welcher
unsere Empfindung und Selbstbeobachtung die verschie
denen Grade der Reize unterscheiden und annähernd
bemessen kann, kam sie zu vielfach epochemachenden
Ergebnissen und Errungenschaften, welche die Psycho-
physik als Wissenschaft erst möglich machten.
Es gibt Ideengänge in einem Zeitalter, die sich in
allen Wissenschaften während dieser Epoche mehr oder
weniger wiederspiegeln und sich als neue, lichtbringende
Gesichtspunkte geltend machen. Zum Verständnis der
schließlichen geistigen Wurzel der Grenznutzentheorie
ist nur darauf hinzuweisen, wie ähnlich, wahlverwandt
der Gedanke von der psychophysischen Unterschieds
empfindlichkeit mit dem von der wirtschaftlichen Nutz
empfindung bei verschiedenen ökonomischen Begehrs
reizen und Befriedigungsquanten ist.
Auch die Nationalökonomie, die Wissenschaft von
der Rastlosigkeit in der Entwickelung von Gesellschaft
und Staat, kann und muß am wenigsten vor den Ein
flüssen der Zeit, der geistigen Atmosphäre der Geschichts
epoche bewahrt bleiben. Eine solche Verschließung
würde sie auch als lebendige Wissenschaft ertöten.
Durch diese Hinweise auf die Einflüsse der geistigen
Strömungen der Zeit kann das wirkliche Verdienst der
Grenznutzentheoretiker durchaus nicht geschmälert wer
') Kant, Kritik der reinen Vernunft, Ausg. Adickes, S. 200.