Full text : David Ricardo und die Grenzwerttheorie

den.  Ihnen  gebührt  die  Ehre,  daß  sie  eine  vielfache
Anregung  und  Ausführung  der  Wert-  und  Preistheorie
gegeben,  die  Zelle  des  sozialen  Körpers,  das  Individuum,
nach  Gebühr  unter  das  Mikroskop  der  Wissenschaft  gestellt ­
  haben.
Was  hier  aber  besonders  in  Betracht  kommt,  ist
die  Frage,  ob  die  besten  Vertreter  der  klassischen
Nationalökonomie  das  subjektive  Bildungselement  in
dem  Werturteile  gar  nicht  gekannt  oder  nur  nicht  ausgeführt ­
  haben,  ob  der  Gedanke  vom  Grenznutzen  eine
so  neue  „epochemachende  Entdeckung“  ist,  und  vor
allem,  ob  Ricardo  diese  sonst  leicht  in  die  Augen
springende  Tatsache  bei  seinem  Scharfsinn  und  seiner
Gedankentiefe  übersehen  haben  sollte.  Wobei  aber,
um  zu  wiederholen,  das  Verdienst  der  Grenznutzentheorie
in  der  Hervorhebung  und  wissenschaftlichen  Formulierung ­
  des  Grenznutzengedankens  nicht  im  mindesten
bestritten  wird.
Zuerst  ist  den  Physiokraten  die  Tatsache  nicht  unbekannt ­
  gewesen,  daß  die  Einbeziehung  der  Dinge  in
die  Sphäre  der  wirtschaftlichen  Werte  und  in  die  Zweckreihe ­
  des  wirtschaftlichen  Handelns  unbedingt  die  Prädikate ­
  der  Brauchbarkeit  und  Seltenheit  voraussetze 1 ).
So  spricht  sich  Turgot,  oft  von  den  Grenznutzentheoretikern ­
  als  Vater  der  Doktrin  zitiert,  in  seinen,
anno  1766  erschienenen  „Betrachtungen  über  die  Bildung
und  Verteilung  der  Reichtümer“' 2 )  folgendermaßen  aus:
„Sobald  man  jeden  Tauschakt  einzeln  und  gesondert ­
  betrachtet,  ohne  Einwirkungen  seitens  Dritter  Konkurrierender“ ­
  —  dieser  Gedanke  ist  wert  auch  seitens
*)  Vergl.  ohen  die  Anmerkung  zu  Jevons,  auch  seine  Grundideen: ­
  utility  und  scarcity.  Und  sie  sind  es  auch  bei  allen  anderen
Grenznutzentheoretikern.
2 )  Turgot,  Reflexions  sur  la  fondation  et  la  distribution  des
richesses,  ed.  Eugen  Daire,  1844,  §  XXXIII.
            
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