Full text : David Ricardo und die Grenzwerttheorie

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findung  ist  jederzeit  bloß  empirisch,  und  kann  a  priori
gar  nicht  vorgestellt  werden“ 1 )  (z.  B.  Farben,  Geschmack,
wirtschaftliche  Nutzenempfindung  etc.).
Indem  die  moderne  Psychologie,  von  Herbart,
Weber,  Feehner  an,  die  interessanten  Phänomene  der
Empfindungsqualitäten  und  Unterschiedsempfindlichkeit
der  Reizschwellen  und  Bewußtseinsgrade  zu  untersuchen
begann,  wo  der  Hauptzweck  darin  besteht,  die  Oberund ­
  Unterschwellen  zu  bestimmen,  innerhalb  welcher
unsere  Empfindung  und  Selbstbeobachtung  die  verschiedenen ­
  Grade  der  Reize  unterscheiden  und  annähernd
bemessen  kann,  kam  sie  zu  vielfach  epochemachenden
Ergebnissen  und  Errungenschaften,  welche  die  Psychophysik
  als  Wissenschaft  erst  möglich  machten.
Es  gibt  Ideengänge  in  einem  Zeitalter,  die  sich  in
allen  Wissenschaften  während  dieser  Epoche  mehr  oder
weniger  wiederspiegeln  und  sich  als  neue,  lichtbringende
Gesichtspunkte  geltend  machen.  Zum  Verständnis  der
schließlichen  geistigen  Wurzel  der  Grenznutzentheorie
ist  nur  darauf  hinzuweisen,  wie  ähnlich,  wahlverwandt
der  Gedanke  von  der  psychophysischen  Unterschiedsempfindlichkeit ­
  mit  dem  von  der  wirtschaftlichen  Nutzempfindung ­
  bei  verschiedenen  ökonomischen  Begehrsreizen ­
  und  Befriedigungsquanten  ist.
Auch  die  Nationalökonomie,  die  Wissenschaft  von
der  Rastlosigkeit  in  der  Entwickelung  von  Gesellschaft
und  Staat,  kann  und  muß  am  wenigsten  vor  den  Einflüssen ­
  der  Zeit,  der  geistigen  Atmosphäre  der  Geschichtsepoche ­
  bewahrt  bleiben.  Eine  solche  Verschließung
würde  sie  auch  als  lebendige  Wissenschaft  ertöten.
Durch  diese  Hinweise  auf  die  Einflüsse  der  geistigen
Strömungen  der  Zeit  kann  das  wirkliche  Verdienst  der
Grenznutzentheoretiker  durchaus  nicht  geschmälert  wer') ­

  Kant,  Kritik  der  reinen  Vernunft,  Ausg.  Adickes,  S.  200.
            
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