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b) Die Einnahmen aus Gewerbebetrieben.
An derartigen Unternehmungen besitzt die Gemeinde zurzeit nur
die Gasanstalt.
Nach langwierigen Verhandlungen wurde Anfang des Jahres 1908
beschlossen, die Gasbeleuchtung einzuführen, um dem Orte eine zeit
gemäße Straßenbeleuchtung zu schaffen und zugleich erhöhten Zuzug
herbeizurufen; in Ergänzung dieses Beschlusses entschied man sich, die
Anstalt für eigene Rechnung zu errichten, weil man nicht einem Privat
unternehmer auf lange Zeit ein Monopol überantworten wollte und
auch einen später zu erhoffenden Gewinn in die eigene Tasche zu
stecken gedachte. Durch Einsprüche und unverständliche Agitationen
gegen die Anstalt wurde die Fertigstellung sehr verzögert und verteuert.
In vorsichtiger Weise schloß aber die Gemeinde bei der Erteilung des
Zuschlages mit der Baufirma einen Vertrag ab, demzufolge die Firma
die Gasanstalt nach Fertigstellung von der Gemeinde gegen Übernahme
aller Verpflichtungen einschließlich Schuldverzinsung und -tilgung pachtete,
wodurch eine Belastung der Steuerzahler durch verlustbringenden Be
trieb ausgeschlossen war. Die Dauer des Pachtvertrages hatte man
auf 15 Jahre festgesetzt mit der Maßgabe, daß die Gemeinde be-
rechtigt war, das Werk jederzeit nach vorangegangener einjähriger
Kündigung selbst zu übernehmen, während der Vertrag von dem Pächter
bis zum April 1924 nicht gekündigt werden durfte. Als sich das
Unternehmen in zufriedenstellender Weise entwickelte, übernahm die Ge
meinde die Anstalt am 1. April 1912 und setzte den Gaspreis um
V s Pfg. auf 18 Pfg. herunter. Dieses Vorgehen der Gemeinde war
von der Absicht geleitet, durch Verbilligung der Preise den Konsum
zu heben und nicht gegen benachbarte Gemeinden durch hohe Preise
abzustechen. Die Erzielung größtmöglichsten Gewinns ist also zurzeit
nicht beabsichtigt, sondern nur die Ausgleichung von Einnahmen und
Ausgaben.
Der Verkauf an Private betrug im ersten vollen Rechnungsjahr
bei einem Rohrnetz von etwa 12500 in Länge 119149 cbm, die
Gesamtproduktion 148731 cbm mit einem Kohlenverbrauch von
494935 kg; an Nebenprodukten wurden gewonnen 272214 kg Koks,
wovon 142 783 kg verkauft, der Rest mit einem kleinen Vorrat aus dem
vergangenen Geschäftsjahr mit etwa 132000 kg zur Unterfeuerung
gebraucht wurde. Die übrigen Nebenprodukte fallen weniger ins Ge
wicht. Aus 100 kg Kohle wurden durchschnittlich 4 1 /,, kg Teer ge
wonnen. An Ammoniakwasser konnten zwei 10-Tonnenwaggons zum
Preise von 100 Mark verschickt werden; obwohl aber die Fabrik die