Full text : Die Entwicklung der Berliner Vorortgemeinde Kleinschönebeck-Fichtenau unter besonderer Berücksichtigung der Finanzen

105

b)  Die  Einnahmen  aus  Gewerbebetrieben.
An  derartigen  Unternehmungen  besitzt  die  Gemeinde  zurzeit  nur
die  Gasanstalt.
Nach  langwierigen  Verhandlungen  wurde  Anfang  des  Jahres  1908
beschlossen,  die  Gasbeleuchtung  einzuführen,  um  dem  Orte  eine  zeitgemäße ­
  Straßenbeleuchtung  zu  schaffen  und  zugleich  erhöhten  Zuzug
herbeizurufen;  in  Ergänzung  dieses  Beschlusses  entschied  man  sich,  die
Anstalt  für  eigene  Rechnung  zu  errichten,  weil  man  nicht  einem  Privatunternehmer ­
  auf  lange  Zeit  ein  Monopol  überantworten  wollte  und
auch  einen  später  zu  erhoffenden  Gewinn  in  die  eigene  Tasche  zu
stecken  gedachte.  Durch  Einsprüche  und  unverständliche  Agitationen
gegen  die  Anstalt  wurde  die  Fertigstellung  sehr  verzögert  und  verteuert.
In  vorsichtiger  Weise  schloß  aber  die  Gemeinde  bei  der  Erteilung  des
Zuschlages  mit  der  Baufirma  einen  Vertrag  ab,  demzufolge  die  Firma
die  Gasanstalt  nach  Fertigstellung  von  der  Gemeinde  gegen  Übernahme
aller  Verpflichtungen  einschließlich  Schuldverzinsung  und  -tilgung  pachtete,
wodurch  eine  Belastung  der  Steuerzahler  durch  verlustbringenden  Betrieb ­
  ausgeschlossen  war.  Die  Dauer  des  Pachtvertrages  hatte  man
auf  15  Jahre  festgesetzt  mit  der  Maßgabe,  daß  die  Gemeinde  berechtigt
  war,  das  Werk  jederzeit  nach  vorangegangener  einjähriger
Kündigung  selbst  zu  übernehmen,  während  der  Vertrag  von  dem  Pächter
bis  zum  April  1924  nicht  gekündigt  werden  durfte.  Als  sich  das
Unternehmen  in  zufriedenstellender  Weise  entwickelte,  übernahm  die  Gemeinde ­
  die  Anstalt  am  1.  April  1912  und  setzte  den  Gaspreis  um
V s  Pfg.  auf  18  Pfg.  herunter.  Dieses  Vorgehen  der  Gemeinde  war
von  der  Absicht  geleitet,  durch  Verbilligung  der  Preise  den  Konsum
zu  heben  und  nicht  gegen  benachbarte  Gemeinden  durch  hohe  Preise
abzustechen.  Die  Erzielung  größtmöglichsten  Gewinns  ist  also  zurzeit
nicht  beabsichtigt,  sondern  nur  die  Ausgleichung  von  Einnahmen  und
Ausgaben.
Der  Verkauf  an  Private  betrug  im  ersten  vollen  Rechnungsjahr
bei  einem  Rohrnetz  von  etwa  12500  in  Länge  119149  cbm,  die
Gesamtproduktion  148731  cbm  mit  einem  Kohlenverbrauch  von
494935  kg;  an  Nebenprodukten  wurden  gewonnen  272214  kg  Koks,
wovon  142  783  kg  verkauft,  der  Rest  mit  einem  kleinen  Vorrat  aus  dem
vergangenen  Geschäftsjahr  mit  etwa  132000  kg  zur  Unterfeuerung
gebraucht  wurde.  Die  übrigen  Nebenprodukte  fallen  weniger  ins  Gewicht. ­
  Aus  100  kg  Kohle  wurden  durchschnittlich  4 1 /,,  kg  Teer  gewonnen. ­
  An  Ammoniakwasser  konnten  zwei  10-Tonnenwaggons  zum
Preise  von  100  Mark  verschickt  werden;  obwohl  aber  die  Fabrik  die
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.