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Zweites Buch. Die Gegner.
auf diese Weise die Abschaffung der Geldzinsen dem Arbeiter ge
stattet, sofort und umsonst all die nötigen Kapitalien zu erwerben,
anstatt sie zu mieten, verhindert sie gleichzeitig alle Kapitalbesitzer,
ein Einkommen ohne Arbeit zu erheben. Das Eigentum würde daher
auf den Besitz beschränkt bleiben. Da der Arbeiter den vollen Er
trag seiner Arbeit erhalten würde, ohne ihn mit jemand anderem
teilen zu müssen, so wäre auch die ^Reziprozität im Austausch erreicht.
Die wirtschaftliche Gerechtigkeit wäre endlich verwirklicht.
Zweifellos, wird man sagen, ist das richtig. Wie soll man sich
aber das nötige Geld ohne Zinszahlungen beschaffen? Das ist der
springende Punkt!
Man überlege, antwortet Peoudhon, was das Geld ist! Ist es
, etwas anderes als ein Tauschbon, dessen einzige Bestimmung die Er-
//leichterung des Güterumlaufs ist? Hier betrachtet Peoudhon plötz
lich das Geld, das ihm bis dahin als das wirkliche und einzige
Kapital erschienen ist, nur mehr als ein ümlaufsmittel. „Das Geld an
und für sich ist mir nichts nütze. Ich nehme es nur, um es auszu
geben, ich verbrauche und bewirtschafte es nicht“ *). Es ist nur ein
ümlaufsmittel, und der Zins, den ich dafür zahle, entlohnt gerade
diese ümlaufsfunktion*). Würde nun ein Papier diese Funktion
nicht ebenso gut und billiger erfüllen? Heute leihen die Banken
den Besitzern von Handelseffekten das Bargeld, das sie benötigen,
oder Banknoten, die ständig gegen Bargeld einwechselbar sind. Für
diesen Dienst lassen sie sich einen Diskont zahlet!, der dazu be
stimmt ist, die Aktionäre, die das Kapital geliefert haben, zu ent
lohnen. Gründen wir daher eine Bank ohne Kapital, die, wie die
Banque de France die Handelseffekten mit Noten diskontiert, und
zwar „Umlaufbons“ oder „Tauschbons“, welche Noten aber nicht
in Bargeld umwechselbar sind, die folglich fast nichts kosten,
da kein Garantiekapital entlohnt zu werden braucht. Diese Bank
ohne Geldkapital würde daher zu einem bedeutend geringeren Preise
dieselben Dienste leisten, wie die Banque de France.
Damit diese Noten in den Umlauf gebracht werden können, ge
nügt es, daß alle Kunden der neuen Bank sich verpflichten, sie als
Zahlung für ihre Waren anzunehmen. Der Besitzer würde daher
imstande sein, sie auszutauschen, — ebenso wie bares Geld. Auf
der anderen Seite riskieren die Kunden der Bank nichts, wenn sie
sie annehmen, denn (die Statuten stipulieren das) die Bank dis-
*) Interet et Principal, S. 112.
2 ) „Daher ist das Geld, das überall als Zusatzkapital, als ümlaufsmittel, als
Garantieinstrument dazwischentritt, gerade das, was zu bezahlen ist; es handelt
sieh gerade darum, den Dienst, den es leistet, zu entlohnen!“ (Interet et Prin
cipal, S. 113).