Full text : Die Entwicklung der Berliner Vorortgemeinde Kleinschönebeck-Fichtenau unter besonderer Berücksichtigung der Finanzen

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minder  bemittelten  Schichten,  die  am  allerwenigsten  aus  eigener  Kraft
sich  von  ungesunden  Verhältnissen  losreißen  können,  wie  es  bei  Besprechung ­
  der  Bodenverhältnisse  bereits  gezeigt  ist.  Weitergehend  handelt
es  sich  aber  beim  Gesundheitswesen  um  das  Wohl  der  Gesamtheit  der
Bevölkerung.  Vorkehrungen  gegen  Seuchen  und  ansteckende  Krankheiten
gehen  alle  an.  Sorge  für  Sauberkeit  in  Gastwirtschaften  und  Herbergen,
Reinlichkeit  in  Bäckereien  und  Schlächtereien,  sowie  die  Vorkehrungen
gegen  gesundheitsschädliche  Einrichtungen  sind  aber  Aufgaben  der
Sanitätspolizei,  also  der  Polizei,  an  deren  Verwaltung  die  Gemeinde
nur  einen  geringen  Anteil  hat.
Um  jedoch  auch  ihrerseits  einen  guten  Einfluß  auf  eine  gedeihliche
Entwicklung  auf  diesem  Gebiete  geltend  machen  zu  können,  wurde  am
2.  10.  1906  eine  Gesundheitskommission  ins  Leben  gerufen,  die  aus
dem  Gemeindevorsteher  als  Vorsitzendem,  dem  Kommunalarzt,  dessen
Besoldung  in  der  Rechnung  für  Armenwesen  ausgewiesen  wird,  dem
Brunnenbauer,  einem  Bausachverständigen  und  außerdem  4  Mitgliedern,
von  denen  je  2  im  Dorfe  und  in  der  Kolonie  wohnen,  besteht.
Ihre  Aufgabe^)  ist  es,  von  den  gesundheitlichen  Verhältnissen  des
Ortes  durch  gemeinsame  Besichtigungen  sich  Kenntnis  zu  verschaffen,  in
Gemeinschaft  mit  dem  Kreisärzte  die  gesundheitlichen  Maßnahmen  der
Polizeibehörde  zu  unterstützen,  den  beteiligten  Selbstverwaltungs-  und
Polizeibehörden  als  beratendes  und  begutachtendes  Organ  zu  dienen,
über  alle  von  diesen  Behörden  ihr  vorgelegten  Fragen  des  Gesundheitswesens ­
  sich  gutachtlich  zu  äußern,  durch  Belehrung  und  Aufklärung  der
Bevölkerung  die  Durchführung  gesundheitlicher  Maßnahmen  zu  erleichtern,
Mißständen,  welche  den  Ausbruch  und  die  Weitervcrbreitung  gemeingefährlicher ­
  Krankheiten  zu  befördern  geeignet  sind,  nachzuforschen  und
insbesondere  aus  eigener  Initiative  Vorschläge  über  die  Beseitigung
gesundheitswidriger  Zustände,  Verbesserung  bestehender  Einrichtungen
und  Einführung  zeitgemäßer  Neuerungen  zu  machen.
Auf  diese  Weise  ist  in  Anbetracht  der  Verhältnisse  nach  Möglichkeit ­
  für  das  Gesundheitswesen  gesorgt,  wenn  sich  auch  bisweilen  Mißstände ­
  dadurch  herausgestellt  haben,  daß  mit  Rücksicht  auf  eigene  Unannehmlichkeiten ­
  Bedenken  getragen  wurden,  einem  Übelstande  abzuhelfen.
Da  die  Posten  ehrenamtlich  verwaltet  werden,  erwachsen  der  Gemeinde ­
  durch  die  Tätigkeit  der  Kommissionsmitglieder  keine  Ausgaben.
Als  nächsterreichbare  Krankenhäuser  stehen  das  Verbandskrankenhaus ­
  zu  Kalkberge  und  das  Krankenhaus  für  die  Nordöstliche  Bauberufsgenosfenschast
  in  Wilhelshagen  zur  Verfügung,  ferner  das  Teltower
Kreiskrankenhaus  zu  Britz  und  die  Königliche  Charit«  zu  Berlin.

st  Vgl.  Geschäftsanweisung  f.  Gesundheitskommisstonen  vom  13.  3.  1901.
            
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