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Kommunalbanken und als Vermittlungsstellen, die die zeitweise nicht be
nötigten Gelder jener Banken anlegen. Sparkassen und Kommunalbanken
verschaffen sich durch sie zeitweise Kredite.
7. Die preußische Staatsbank (Seehandlung) v ).
Durch Privileg vom 14. Oktober 1772 wurde, sieben Jahre nach Ent
stehung der Königlichen (Preußischen) Bank, von Friedrich dem Großen
die Seehandlungs-Sozietät als Gesellschaftsbank gegründet. Der große
König, der eifrig für das Wohl seiner Untertanen besorgt war, wollte in
ihr „eine Gesellschaft errichten, deren Aufgabe es sein sollte, Seeschiffahrt
unter preußischer Flagge zu treiben und die Häfen von Spanien und alle
anderen Plätze zu besuchen, wo sie vernünftige und sichere Aussichten zu
cineni tüchtigen Gewinn von Ein- und Ausfuhren finden möchte". Sie
sollte dazu beitragen, „Wohl und Wohlstand der Untertanen zu heben".
Das Kapital der Seehandlung betrug 1 200 000 Taler und war ein
geteilt in 2400 Aktien zn 600 Talern, von denen der König 2100 Aktien
für sich nahm. Die Gesellschaft hatte das Monopol, von deni Auslande
(Spanien, England, Frankreich usw.) Salz anzukaufen, und genoß viele
Vergünstigungen, wie z. B- Zollfrciheit. Durch Betrügereien des Präsi
denten von Gör ne kam das Institut in eine mißliche Lage.
Im Jahre 1810 tauschte der Staat die Aktien und die wenige Jahre
vorher ausgegebenen „Seehandlungsobligationen" in vierprozentige
Staatsschuldscheine um und verwandelte damit die Anstalt in ein reines
Staatsinstitut. 1820 fand eine völlige Reorganisierung der „General-
direktion der Seehandlungssozietät" statt. Sie widmete sich in Zukunft
in höherem Maße dem Geld-, Wechsel- und Effektengeschäft und besorgte
die Finanzoperationen des Staates und der Kommunen, indem sie Staats
und Stadtanlcihen unterbrachte, sie beteiligte sich am Bau von Eisen
bahnen und Chausseen, gab Vorschüsse an Gewerbetreibende und begrün
dete selbst eine Anzahl industrieller Etablissements.
st S. Schräder, Geschichte der Kgl. Seehandlung. Berlin 1911. Die
Preußische Staatsbank (Seehandlung) 1772—1922. Berlin 1922. Art. „Die
Preußische Staatsbank" im „Buch des Kaufmanns", 6. Ausl. S. 546ff. (dort
weitere Literatur), und meinen Aufsatz „Die Königliche Seehandlung in Ver
gangenheit und Gegenwart" in der „Zeitschrift für Handelswissenschaft und
Handelspraxis". 2. Jahrgang, Heft 6.