Mewes, Reichsinvalidenversicherung.
197
Gegenüber den oben (S. 186) mitgeteilten Zahlen über die Berufs
zugehörigkeit der Versicherten von 1895 tritt hier schon die stärkere
Rentenbeteiligung der landwirtschaftlichen Berufsarten und die geringere
Rentenhäufigkeit in Gewerbe und Handel deutlich hervor. Roch größer werden
die Unterschiede freilich, wenn man auch die (genaueren) Ergebnisse der
Berufszählung von 1907 und die dabei festgestellte Berufsverteilung der
Versicherten zum Vergleiche heranzieht.
Das Schwergewicht der Renten liegt bei den Invalidenrenten.
Ihre Zahl steigt fortdauernd, allerdings durchaus nicht gleichmäßig,
sondern offenbar je nach der Gunst oder Ungunst der Wirtschafts
konjunktur: bei guten Verdienstverhältnissen spannt jeder halbwegs Arbeits
fähige seine Kräfte an und sucht Ruhen daraus zu ziehen; bei schlechtem
Beschäftigungsstande mehren sich die Rentenanträge, und zwar sowohl
die begründeten — wie freilich auch die unbegründeten. Die Alters
renten sind schon seit langem gegenüber den Invalidenrenten stark in den
Hintergrund getreten. Das war oben bereits aus der Zahl der lausen
den Renten (S. 193) zu erkennen. Roch deutlicher zeigt es die Zahl der
neubewilligten Renten: Es wurden neubewilligt (Invaliden- und Kranken
renten sind hierbei zusammengefaßt) im Jahre
1895: 55 983 Jnvaliditätsrenten und
1900:132 394
1905:134 729
1910:126 942
In den Altersrenten scheint seit etwa 1906 tatsächlich der Be
harrungszustand erreicht zu sein, weil die Mehrzahl der Versicherten schon
lange vor dem 70. Jahre invalide wird; die geringere Bewilligung von
Jnvaliditätsrenten dagegen hängt mit der an früherer Stelle (S. 191)
schon angedeuteten schärferen Prüfung der Rentenanträge zusammen, auf
die in diesem Zusammenhange nicht näher eingegangen werden kann.
Die Rentensummen, die während des 20jährigen Bestehens der
Invalidenversicherung in die versicherungspflichtigen Volksschichten hinein
geflossen sind, belaufen sich auf 1799 Mill. Mk. Hiervon kommen
1332 Mill. Mk. auf Invalidenrenten, 29 Mill. Mk. auf Krankenrenten
und 438 Mill. Mk. auf Altersrenten. Dabei muß man sich vergegen
wärtigen, daß die gesamten Versicherungsbeiträge der Arbeitgeber und
Arbeitnehmer bis Ende 1910: 2740 Mill. Mk., diejenigen der Arbeit
nehmer allein also höchstens 1370 Mill. Mk. betragen haben. Über das
Verhältnis zwischen dem jährlichen Rentenbetrage der Invaliden und den
30 144 Altersrenten
19 852
10 692
11612