4. Die Prognose des Konjunkturwandels.
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Beurteilung der Konjunktur, denn aus diesen Erscheinungen und
nicht minder aus» der anhaltenden Geldspannung 1 ) können, wie zu
versichtlich noch immer die Industriellen selbst ihre Lage ansehen,
nur allzu leicht sicn Hemmungen entwickeln.“ Der Berliner „Tag“
hatte sich damals an eine Reihe führender Männer des deutschen
Wirtschaftslebens gewandt und sie um ihre Meinung über die Kon
junkturaussichten ersucht. Einer der ersten Großindustriellen, August
Thyssen, äußerte sich dann darüber folgendermaßen:
„Die Konjunktur ist gut, denn die Werke sind für längere Zeit
reichlich beschäftigt. Der teure Geldstand hat auf die Entwicklung
der Industrie hemmend eingewirkt, was ich nicht beklage, weil da
durch eine Einschränkung der Unternehmungslust erfolgt ist, die
notwendig war, um nicht über das zulässige Ziel hinauszugehen.
Eine zu große, plötzliche Entwicklung der Industrie muß nachteilig
wirken, weil die großen Produktionen, die dadurch geschaffen werden!,
dauernd nicht aufrecht zu erhalten sind, und ungesunde Verhältnisse
für Arbeitgeber und -nehmer schaffen müssen... Weil niemand in
der Lage ist, den Weltmarkt über eine gewisse, kurzbemessene Frist
hinaus richtig zu beurteilen, bin ich im allgemeinen für kürzere
Verträge, besonders in Fertigfabrikaten, damit das Risiko, welches
Käufer und Verkäufer dabei übernehmen, möglichst eingeschränkt
wird * 2 ).
Eine Stimme aus der oberschlesischen Montanindustrie, die
jenige des Oberbergrats a. D. P. Wachler, spricht sich dagegen noch
überaus zuversichtlich aus und bestreitet, daß der Höhepunkt der
Konjunktur bereits erreicht und ein Rückschlag zu befürchten sei.
„Überrasche Vermehrung der Produktionsstätten liege nicht vor
(abgesehen vielleicht vom Kalibergbau). Die Gefahr der Überpro
duktion bedrohe also die Konjunktur nicht, nicht einmal in abseh
barer Zeit; auch sehe er keinerlei Anzeichen, daß ein Rückgang des
ungewöhnlich hohen Konsums bevorstehe, im Gegenteil, verspreche
die gesteigerte Güterbewegung mehr Bestellungen der Eisenbahnen;
die gute Ernte aller Länder alimentiere Handel und Gewerbe; Kanal
bauten, Schiffsbau usw. bieten günstige Aussichten, die Montan
industrie selbst wende, wie der Staat, fortgesetzt nicht unerhebliche
Mittel für Arbeiterhäuser auf, die Verwendung elektrischer Kraft sei
immer noch erst im Anfangsstadium. Das Preisniveau der Fabrikate
sei bei den gegen 1889 und 1901 erhöhten Produktionskosten noch
mäßig und fange jetzt erst an ohne Übertreibungen zu steigen; in
Ü Am 9. Oktober 1906 hatte die Reichsbank ihren Diskontsatz von
* /a o/o auf 5, und am 17. Dezember auf 6 o/o erhöht.
2 ) Frankf. Zeitung, a. a. 0.