» Einleitung.
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den Staats- und Gemeindeanleihen, die in steigendem Maße produktiven
Anlagen aller Art dienen. Wenn auch ein Zahlenverhältnis schwer anzugeben
ist, so scheint mir doch sicher, daß die soziale Versicherung nicht
der Produktion im ganzen Kapital entzieht, sondern ihr im Gegenteile
Mittel zuführt, die ihr sonst nicht zur Verfügung ständen.
Ähnliches gilt von allen privaten Versicherungs- und Unterstützungseinrichtungen,
von den Sparkassen und einem Teile des Bankdepositenverkehrs.
überall die Sammlung kleiner Beträge aus einer Unmasse von
Einzelwirtschaften und ihre Anlage als größere Kapitalien. Die Gesamtwirkung
zeigt sich nicht nur als Bildung von Leihkapital, sondern auch als
Verschiebung erheblicher Summen aus dem Konsume zur Produktion.
Eine exakte Untersuchung und Feststellung dieser Vorgänge muß eine
große Bedeutung haben nicht nur für sozialpolitische Fragen, wie die Überlastung
der Industrie mit Versicherungskosten, die richtige Verteilung der
Prämien auf Versicherte und Arbeitgeber usw., sondern für die Beurteilung
fast aller wirtschaftlich bedeutsamen Vorgänge, wie z. B. die Frage nach dem
Verhältnis von Produktion zu Konsum, von Angebot zu Nachfrage, die Entstehung
der Wirtschaftskrisen, die Bewegung des Zinsfußes, in weiterer Folge
die Gestaltung der Preise, die Hebung des einheimischen Marktes bei den
wachsenden Ausfuhrschwierigkeiten u. dgl. m.
Auf allen angedeuteten Gebieten ist die Staatspolitik tätig. Auch eine
Beeinflussung der Kapitalbildung und Kapitalverschiebung durch Spar- und
Versicherungseinrichtungen ist mit sozialpolitischen und finanzpolitischen Maßnahmen
möglich. Hier liegt sogar wahrscheinlich ein bisher unterschätztes
Mittel der Wirtschaftspolitik. Ehe seine stärkere Verwendung empfohlen
werden kann, müssen die Tatsachen festgestellt werden, damit nicht eine Zunahme
der leider schon mehr als genügend üblichen Gelegenheitsgesetzgebung
auf Grund falscher Voraussetzungen erfolgt. —
Von diesen Erwägungen aus ist in der Ausschußsitzung des Vereins
für Sozialpolitik zu Pfingsten 1910 der Antrag gestellt worden, in den
Schriften des Vereins Untersuchungen über den Einfluß der Sparund
Versicherungseinrichtungen auf Geldmarkt und Produktion
zu veröffentlichen. Da bereits seit längerer Zeit umfassende Untersuchungen
über das Volkssparwesen eingeleitet waren, so überwies man den
Antrag dem dafür eingesetzten Unterausschuß zur Berücksichtigung. Diese
konnte er nicht mehr finden und brauchte er nicht zu finden bezüglich der
Sparkassen, da das genaue Programm für die Untersuchungen über Sparwesen
schon festgelegt, in der Ausführung begriffen war, und die einzelnen
Bearbeiter natürlich den Fragen der Geldquellen, der Anlagepolitik, des